Lipödem

Wie im vorigen Post angesprochen, habe ich wahrscheinlich ein Lipödem, was dazu führt, dass sich mein Übergewicht in erster Linie auf den Unterkörper – Hüften, Hintern, Oberschenkel – verteilt. Ich warte im Moment auf einen Termin in einer fachärztlichen Praxis (Phlebologie (=Venenheilkunde)/Lymphologie), um eine genaue Einschätzung zu bekommen. Ich rechne damit, dass ich medizinische Kompressionsstrümpfe verschrieben bekommen und vielleicht auch manuelle Lympfdrainage. Kompression probiere ich gerade schon in den weniger starken Klassen, die es rezeptfrei gibt, aus, und es hilft deutlich. Die Beine fühlen sich leichter an, sie schmerzen nicht mehr von selbst, sind nur noch etwas druckempfindlich. Das alles lässt mich vermuten, dass ich mit dem Lipödem auf der richtigen Spur bin.

Was genau ist ein Lipödem? Von Lymphödemen haben einige schon gehört. Aus unterschiedlichen Gründen kann das Lymphsystem die Lymphe, die sich im Gewebe befindet, nicht mehr abtransportieren, das „Wasser“ sammelt sich in dem betroffenen Körperteil, es schwillt an. Das kann ein Gliedmaß betreffen oder mehrere. Im Gegensatz dazu tritt ein Lipödem nie nur an einem Bein auf, sondern immer symmetrisch. Es beruht wahrscheinlich auf Veranlagung, ganz klar sind die Mechanismen noch nicht. Beim Lymphödem schwellen auch die Hände und Füße an, was sie beim Lipödem nicht tun.

Normalerweise geben die Kapillaren Flüssigkeit an das Gewebe ab, aus dem die Körperzellen dann ihre Nährstoffe ziehen, die Flüssigkeit wird dann von den mit den Venen verbundenen Kapillaren wieder aufgesogen, alles, was zu groß ist, um durch die Öffnung der Kapillaren zu passen, wird als sogenannte „lymphpflichtige Last“ vom Lymphsysthem entsorgt. Das Problem bei der Veranlagung zum Lipödem ist eine gewisse „Kapillarbrüchigkeit“: die Kapillaren lassen zu viele große Stoffe in das Gewebe hinein, vor allem Eiweiße. Diese vielen Rückstände überfordern das Lymphsystem, es sammelt sich eine Eiweiß-Fett-Gewebeflüssigkeitmischung an, die nicht entsorgt wird und das Lymphsysthem zusätzlich schwächt. Daher gilt das Lipödem als graduell voranschreitende Krankheit, die man nur versuchen kann aufzuhalten, die aber nicht reversibel sein soll.

Die entstehenden Lipödeme sind anscheinend für die normalen Körperprozesse nicht leicht erreichbar. Das heißt, auch wenn der Körper im Rahmen einer Diät die Vorräte, die er hat, angeht, kommt er in erster Linie an das Fett in den als Vorratsspeichern angelegten Fettzellen heran – aber nicht so leicht an das beim Lipödem im Binde- und Stützgewebe abgelagerte Stoffgemisch. Dadurch verliert man leichter Gewicht dort, wo man kein Lipödem hat: dort geht der Körper an alle Reserven, während das Lipödem im Großen und Ganzen unverändert bleibt. Gleichzeitig besteht, wenn ich es richtig verstehe, die Gefahr, dass selbst wenn man im Bereich des Lipödems normale Fettzellen verkleinert, der neue Raum sehr leicht mit Flüssigkeit vollläuft, weil das Bindegewebe und das Lymphsystem geschwächt sind. Selbst wenn man also Fett dort verliert, wird es leicht durch zusätzliche Wasssereinlagerungen maskiert, was bei einer Diät natürlich wahnsinnig frustrierend und entmutigend ist.

Ich bin erst ganz am Anfang meiner Auseinandersetzung mit dem Lipödem, und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es sich vielleicht doch in den Griff kriegen lässt. Dass eine Liposuktion die einzige Möglichkeit sein soll, die mit dem Lipödem verbundenen Probleme und verschiedenstark ausgeprägten Schmerzen loszuwerden, möchte ich noch nicht glauben. Was ich von Betroffenen lese, lässt mich vermuten, dass meine Probleme und Schmerzen sich, von dem Figurproblem und den schweren, manchmal schmerzenden Beinen abgesehen, noch in Grenzen halten, da gibt es anscheinend sehr viel schlimmere Zustände.

Um zu vermeiden, dass die Beine „volllaufen“ durch Abnehmen oder Sport, werde ich erst mal auf Kompression setzen. Denn prinzipiell fördert Bewegung ja die Arbeit der Lymphe, sie braucht beim Lipödem allerdings diese zusätzliche Unterstützung.

Einen zweiten Bereich sehe ich bei der Ernährung. Kalorienreduktion, ganz klar. Auch wenn ich obenrum schlanker als untenrum bin, kann da durchaus einiges weg. Und meiner Erfahrung nach wird sich das auch auf meine untere Hälfte auswirken, wenn auch nicht so deutlich wie obenrum. Was die Ernährungsform angeht, werde ich erst mal das essen, was für mich praktisch, lecker und im Kalorienbudget ist. Gleichzeitig werde ich verfolgen, was es ausmacht in Sachen Gewicht und Beinumfang, wenn ich mal eher kohlenhydratbetont esse, und was passiert, wenn ich eher Low Carb und eiweißbetont esse. Da findet man unterschiedliche Erfahrungen, einige schwören auf Eiweißmangel, um den Körper anzuregen, die Eiweißablagerungen im Zwischengewebe anzugehen, andere haben gute Erfahrungen mit sogar ketoner (=sehr kohlenhydratarmer) Ernährung gemacht. Ich werde es einfach ausprobieren.

Ich habe mir meine Informationen zum Lipödem von verschiedenen Stellen zusammengelesen, die ich hier als weiterführende Links für Interessierte angeben möchte, wie gesagt, teilweise gibt es sehr unterschiedliche Meinungen:

https://www.phlebology.de/leitlinien-der-dgp-mainmenu/72-leitlinie-lipoedem-der-beine

http://www.lipoedem-hilfe-ev.de/index.php/krankheit-lipoedem

https://www.living-keto.de/wie-du-lipoedeme-in-den-griff-bekommst/

http://www.weiss.de/krankheiten/lymph-lipoedem/lipoedem/

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2 Gedanken zu “Lipödem

  1. Hey! Klingt ganz gut was du zusammengefasst hast. Ich meine mich erinnern zu können, dass man sich mit Lipödem fettfrei ernähren sollte, quasi um dem Ödem nicht noch mehr „Futter“ zu geben. Aber meine Ausbildung ist auch schon ein paar Jahre her. Wer weiß, was sich seitdem wieder entwickelt hat 😉

  2. annesch

    Danke für Deine Rückmeldung! (Und den ersten Kommentar auf meinem Blog – Yay!) Darf ich fragen, in welche Richtung Deine Ausbildung ging, eher in einem medizinischen Beruf, und in welchem Bereich, oder in Sachen Ernährung? Ich finde das spannend, weil ich bisher den Eindruck aus meinen Lektüren von Erfahrungsberichten hatte, das Lipödem nicht so bekannt sei (auch bei Leuten im medizinischen Bereich nicht), so dass mich interessiert, wo es Thema bereits in der Ausbildung ist. Habe mich übrigens gerade schon in Deinem Blog festgelesen, muss mal bei Gelegenheit die Vorgeschichte lesen, sonst verstehe ich ja nur die Hälfte!

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