Melodien für die Lieder in J.R.R. Tolkiens „The Lord of the Rings“

Um es gleich zu sagen: Ich bin ein Fan des Buches, seit ich es mit elf Jahren zum ersten Mal in der deutschen Übersetzung gelesen (und die ganz schaurigen Stellen, ich sag nur Kankra/Shelob, überblättert) habe. Seitdem habe ich es oft gelesen, auf deutsch und im englischen Original. Außerdem habe ich mir auch die französischen und italienischen Übersetzungen gekauft (hätte ich mir vielleicht sparen können, siehe unten.) Mit der Verfilmung kann ich wenig anfangen – es ist sicher auf seine Art ein tolles Filmkunstwerk, aber die Änderungen zum Buch ärgern mich doch zu sehr. Ich habe nur die ersten beiden Teile gesehen, danach wollte ich nicht mehr meine eigenen Bilder durch Filmbilder überdecken lassen. Und die Filmbilder der ersten beiden Teile sind inzwischen zum Glück verblasst! 😉

Einen großen Reiz des Buches machen für mich die Gedichte und Lieder aus, die Tolkien für sein Werk verfasst hat. Als eine Person, die selbst gerne und viel singt (nicht nur im Chor), sind die vielen Lieder etwas, was für die Atmosphäre sehr lebendig werden lässt: vor allem in der Beschreibung einer Zeit, in der es nicht allzu viele Bücher gibt und in der die Menschen viel Zeit damit verbringen, sich Geschichten zu erzählen und Lieder bzw. Balladen vorzusingen oder miteinander zu singen.

Vorhin habe ich nachgeschaut und festgestellt, dass es einiges an Vertonungen zu Tolkiens Werk gibt, von den Soundtracks zu den Filmen abgesehen. Z.B. gibt es zahlreiche Vertonungen von einem „Tolkien Ensemble“ – mal schauen, ob ich die CDs mal in die Hände bekomme! Eine etwas veraltete Zusammenstellung von mit Tolkien in Zusammenhang stehender Musik findet sich hier (noch mit DM-Preisen). Auch das Mittelaltermusik-Ensemble Conventus Tandaradey hat sich mit Tolkiens Texten befasst.

Klett-Cotta hat damals, als sie LOTR auf Deutsch herausbrachten, eine gute Entscheidung getroffen, indem sie nicht nur eine gute Übersetzerin des Romans (Margarete Carroux) hatten, sondern auch eine eigene Übersetzerin für die Lieder und Gedichte beauftragten (Ebba-Margareta von Freymann), was sich deutlich auswirkt, weil Prosa und Lyrik doch zwei sehr unterschiedliche Gattungen zum Übersetzen sind. In der französischen und italienischen Ausgabe gab es keine gesonderten Lyrikübersetzer, und das merkt man auch. Die französische Übersetzung war so furchtbar, dass ich mir nur den ersten Band gekauft habe, den ich am Ende meines Frankreichaufenthalts als Au Pair wieder im Antiquariat verscheuerte. Die italienische Ausgabe (in einem Band) habe ich einmal gelesen und habe sie noch im Regal stehen, sie ist insgesamt ganz angenehm zu lesen und das Klangvolle des Italienischen passt sehr gut zur Atmosphäre… Warum ich mir überhaupt die französischen und italienischen Ausgaben kaufte? Aus dem einfachen Grund, dass ich die deutsche und englische Fassung sehr gut kannte, so dass ich wusste, dass ich den Roman auch in Sprachen, die ich noch nicht so gut kannte, problemlos und fast ohne Wörterbuch lesen kann. Mein Sprachschatz hatte danach einige Wörter, die man vielleicht im Alltag nicht so oft braucht, wie Schwert, Schild, Helm etc., aber das kennt man ja, wenn man Harry Potter gelesen hat und genau weiß, dass man „cauldron“, „wand“ etc. nicht wirklich oft im Alltag verwenden wird… 🙂

Ich werde mich jedenfalls demnächst mal nach akustischen Kostproben der Tolkien-Vertonungen umschauen, z.B. auf Youtube. Aber eigentlich habe ich diesen Blogpost angefangen, um zu fragen, ob Ihr Euch auch Musik/Melodien zu entweder Tolkiens Werk oder anderen Büchern, in denen Dichtung vorkommt, ausgedacht habt?

Bei mir fing es an, als ich eine meiner älteren Schwestern eine Melodie summen hörte, die sich mir einprägte. Nach einer Weile hatte ich aus ihr herausbekommen, dass es sich um eine Melodie für das Lied der Zwerge aus Tolkiens „The Hobbit“ handelte. Meine Schwester wird damals vielleicht 16,17 gewesen sein, ich war also 12 oder 13. Ich probierte die Melodie aus, und sie passte wunderbar. Ich suchte mir am Klavier die Akkorde zusammen (richtig Klavierspielen kann ich nicht) und sang dazu. Irgendwann stellte ich fest, dass die Melodie auch auf zahlreiche andere Texte bei Tolkien passte: Zum einen natürlich auf den Text, den Merry und Pippin im LOTR-Kapitel „Conspiracy unmasked“ (Fellowship, Kapitel V), der ja nach dem Vorbild des Zwergenlieds gedichtet war, laut Tolkien. Aber irgendwann war diese Melodie, weil sie so simpel und doch mit einigen Variationen singbar war, für mich die Standard-Melodie für (fast alle) erzählenden Balladen, die In LOTR vorkommen, z.B. das Lied über Gilgalad (Sam in Fellowship, Kapitel XI, A knife in the dark) oder Bilbos Lied über Eärendil in Rivendell/Bruchtal. Nur für das Lied über Nimrodel (kurz bevor die Ringgemeinschaft Lothlorien erreicht) habe ich mir irgendwann eine andere Melodie erdacht, etwas schwebender, ein bisschen an ein Glockenspiel/Windspiel erinnernd.

Für Bilbos Wanderlied (im Kapitel „Three is company“: „Upon the hearth the fire is red“/“Der Herd ist rot von Feuersglut“) habe ich mir irgendwann beim Fahrradfahren eine Melodie ausgedacht, die ich auch nach wie vor sehr mag. Das Problem: Wahrscheinlich weil Fahrradfahren eine rundere Bewegung ist als Laufen, habe ich unbewusst darüber eine Melodie gelegt, die viele Punktierungen und Synkopen hat – nicht wirklich geeignet für ein Wanderlied, da Wanderlieder häufig den gleichmäßigen Rhythmus der Schritte wiedergeben (ohne deswegen gleich Marschlieder sein zu müssen…).

Dann gibt es noch das wunderbare Badelied (auch von Bilbo): „Sing hey! for the bath at the close of day“/ „Ein Hoch! dem Bade, dem edlen Genuss“, auch im Kapitel „A conspiracy unmasked“. Da passte wunderbar die Melodie eines Liedes, das ich von einer Uraltaufnahme auf Kassette der schottischen Folkband „The McCalmans“ kannte. Ich habe gerade versucht, anhand der Textfragmente, die ich von dem ursprünglichen Song noch im Kopf habe, das Lied heraus- und vielleicht auf Youtube zu finden: aber hatte kein Glück. Eventuell finde ich die Kassette noch wieder und kann den Titel und vielleicht einen Link hier ergänzen.

Irgendwie werde ich versuchen, sei es durch Noten oder durch Aufnahmen, auch die Melodien, die ich mir ausgedacht habe, hier vorzustellen – nur so mit Worten beschrieben ist das etwas trocken, das ist mir klar.

Aber was ich ja eigentlich fragen wollte: Denkt Ihr Euch auch Melodien zu Texten in Romanen aus, sei es „Herr der Ringe“ oder andere Bücher? Mir ist es noch mit „Stein und Flöte“ von Hans Bemmann passiert, das ich auch mehrfach gelesen habe und in dem auch viele Lieder und Gedichte vorkommen. Ich wäre wirklich sehr neugierig auf Eure Erfahrungen!

Foto: Annesch Oktober 2016

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Ein Gedanke zu “Melodien für die Lieder in J.R.R. Tolkiens „The Lord of the Rings“

  1. Owl

    Spannend! Nein, ich denke mir nichts Eigenes aus, aber manche Bücher haben einen gewissen Soundtrack, der mir im Geiste umgeht, während ich lese.

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