Hypermobilität

Ich hatte, obwohl insgesamt nie sehr sportlich (im Schulsport Note Vier im Abo, „Sie bemüht sich ja immer.“) , nie Probleme mit Beweglichkeit oder Dehnung. Die klassische Dehnübung, bei der man im Sitzen mit gestreckten Beinen die Knöchel oder Fußspitzen berühren soll, war so einfach für mich, dass ich gleich die ganze Fußsohle umfasste – und ich übte bestimmt nicht heimlich! 😉

Ich erklärte es mir damit, dass ich einen relativ langen Oberkörper und Arme und vergleichsweise kurze Beine habe. Wenn ich neben jemandem sitze, der im Stehen 10-15 cm größer ist als ich, dann sind wir meist auf Augenhöhe.

Vor ein paar Jahren stieß ich irgendwo auf das Phänomen Hypermobilität. Hat nichts mit Hyperaktivität zu tun, sondern mit einer Überbeweglichkeit der Gelenke. Ein Anzeichen dafür ist, dass man hinter dem Rücken die Handflächen zusammenlegen kann – und zwar mit den Fingerspitzen nach oben. Kein Problem, wie ich feststellte. Das wird auch als umgekehrtes Namaste bezeichnet, weil man quasi den indischen Namaste-Gruß vor den Rückenwirbeln ausführt. Ich komme problemlos an alle Stellen meines Rückens beim Eincremen und habe mich, bevor ich das mit der Hypermobilität mitbekam, gewundert, warum manche Frauen den BH vorne schließen und dann den Verschluss auf den Rücken drehen, wo es doch so viel einfacher ist, ihn gleich hinten zu schließen. Auf der Seite zu liegen und ein Bein anzuwinkeln, bis das Knie fast auf Schulterhöhe ist, halte ich für eine sehr entspannte Haltung, z.B. beim Lesen. Ich mache es nicht mehr, weil der Durchblutungs-/Lymphfluss in einem so angewinkelten Bein natürlich nicht sonderlich gut ist.

Andere Anzeichen von Hypermobilität sind diese Daumengelenke, die manche Leute bis zur Handwurzel ziehen können (kann ich nicht), oder Zehen, die sich nach oben klappen lassen. Warum ich hier darüber schreibe? Ich recherchiere nach wie vor zum Thema Lipödem. Es scheint ja mit einer sogenannten Kapillar-Brüchigkeit zusammenzuhängen, dass also die Kapillaren mehr großteilige Sachen wie Eiweiße in den Gewebezwischenraum lassen und das Lymphsystem nicht mit der Entsorgung hinterher kommt. Das alles spielt sich im Bindegewebe ab, das von dem Kapillar- und Lymphnetz durchzogen wird. Bei der Hypermobilität sind Bänder und Gelenke mehr als normal dehnbar, auch sie gehören zum Bindegewebe. Ich frage mich jetzt, ob es zwischen der Hypermobilität und dem Lipödem einen Zusammenhang gibt, dass das, was die Kapillare brüchiger macht, auch die Bänder und Gelenke überstreckbar macht. Oder ob in beiden Fällen etwas ähnliches fehlt. Naja, Spekulationen, aber ich werde das mal im Auge behalten und schauen, ob ich auf entsprechende Informationen stoße. Falls eine von Euch auch Lipödem und Hypermobilität hat, freue ich mich über einen Kommentar (ich freue mich auch generell über Kommentare!)!

Bild von hochmobiler Ente bei der Pflege ihres Federkleides: Växjö, Schweden, Sommer 2016, annesch

 

 

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19 Gedanken zu “Hypermobilität

  1. Umgedrehtes Namaste – probiert, Geht. Aber auch nicht komplett mühelos, spüre da schon die Schultern. An meine Fußspitzen komme ich zumindest aus dem Stand immer. Als ich Anfang des Jahres bei der Orthopädin war für mein Knie nickte die zumindest anerkennend beim Bewegungsradius meiner Knie, weil man die Unterschenkel super nach innen/oben rotieren konnte. Das mit den Daumen kann ich aber nicht. Würde sagen, dass ich relativ flexibel bin. Mein Freund kann nicht mal sein Bein gerade strecken oO

    1. annesch

      Wenn ich mich richtig erinnere, können wohl rund 10 % von allen das umgekehrte Namaste, und 50 % derer, die Hypermobilität haben… ich finde es angenehm bis praktisch, im Oberkörper so beweglich zu sein, knicke aber sehr häufig mit den Fußknöcheln um, was nicht so praktisch ist…

  2. Interessante Sache!
    Ich habe es natürlich sofort probiert (ich bin auch auf das mit dem Ellbogen-lecken reingefallen … damals …) und glatt kriege ich die Handflächen nicht zusammen. Das geht nur mit verschränkten Fingern.
    Dafür kann ich Vulture-Perching. Aus dem Stand ohne Abstützen in die Hocke mit platten Füßen. Keine Ahnung ob das für viele Leute wirklich so schwierig ist, wie Freund K. behauptet.

    1. annesch

      …soweit ich weiß, können das (fast) alle Kinder, diese Hocke mit platten Füßen – wusste nicht, dass das Vulture-Perching genannt wird, danke! Ahja, hier steht das, das Kleinkinder das machen, aber die meisten Erwachsenen in westlichen Zivilisationen nicht mehr, weil ihre Achillessehnen verkürzt sind: https://en.wikipedia.org/wiki/Squatting_position In Kulturen, auf denen wenig auf Stühlen gesessen wird, ist die Haltung wohl auch bei mehr Erwachsenen üblich. Bei mir ist es keine Haltung, die ich automatisch einnehmen würde, da doch eher die Hocke mit Fersen oben, aber es geht…
      Als eines der ersten Suchergebnisse für „vulture perching“ bekam ich übrigens dieses hübsche Bild: http://www.victorianweb.org/art/illustration/dore/rhin/27.html 🙂

        1. annesch

          😀 – finde die Bezeichnung aber zutreffend, wenn man sich das Bild anschaut, gibt’s da schon irgendwie ’ne Ähnlichkeit zu der Körperhaltung…^^

  3. Ich könnte mir mit den Zehen die Nase putzen:
    Hinsetzen, Fußsohlen aneinander, Knie auf den Boden, Gesicht runter zu den Fußsohlen.
    Bei den meisten endet es aber auf Brustkorbhöhe 😉

    1. annesch

      Interessant! Kurz in die Hocke gehen kann ich ja, wenn ich mir aber das Titelbild anschaue, schlafen mir allein von der Vorstellung die Beine ein… 😉

    1. annesch

      Ich habe mir inzwischen physiotherapeutische Übungen für die Knie zeigen lassen – gerade mein rechtes Knie ist ein bisschen x-beinig und „fühlt sich manchmal so an“, also kein direkter Schmerz, aber irgendwie unangenehm. Da die Lipödem-Polster gern an der Knie-Innenseite sind, werden die Kniegelenke erst recht in die X-Bein-Haltung gedrängt, was Arthrose fördert. Daher versuche ich da jetzt die Muskeln zu stärken. Inwieweit die Hypermobilität diese Fehlbelastung noch verstärkt, weiß ich nicht, aber vorbeugen kann ja nicht schaden. Eine Übung ist, möglichst täglich kleine einbeinige Kniebeugen zu machen (nur klein, wenige Zentimeter), z.B. beim Zähneputzen – dabei möglichst den Fuß „gerade“ halten und die ganze Fußspitze aufsetzen, also nicht auf Zehen oder Ballen und nicht zur Balance die Ferse etwas nach innen oder außen drehen…

  4. Owl

    Hypermobilität wurde bei mir viel früher als das Lipödem diagnostiziert – umgeknickt, aber die Bänder nur gedehnt, nicht gerissen. Daumen an Unterarm kann ich auch, genau wie Namaste. Ein Arzt sagte mir mal, da war ich irgendwo zwischen 16 und 19 Jahre alt: „Jetzt ist das etwas ungünstig mit der Neigung zum Umknicken und tendezieller Instabilität, aber wenn du mal älter wirst, so ab 40, da wird dir das zugute kommen!“ Tatsächlich läßt die Hypermobilität ganz allmählich (heute 35) nach. Ich bin zwar immer noch beweglicher als viele Altersgenossen, aber die Umknickgefahr ist nicht mehr so stark gegeben.
    Irgendwo anders (in einem Lipödem-Forum vielleicht?) las ich übrigens auch schon einmal von dem Zusammenhang zwischen Lipödem und Hypermobilität, deine Verbindung scheint also nicht total weit hergeholt zu sein bzw. ist auch anderen schon aufgefallen.

  5. Noname

    Interessante These. Hab gerade nicht schlecht gestaunt, da auch ich beide Diagnosen (Lipödem und Hypermobilität) bekommen habe. Die Hypermobilität hat mir einige Probleme mit dem Rücken bescheert. Ich Achte inzwischen darauf, dass ich so extreme Moves nicht mehr mache, obwohl ich vom Gewebe her könnte – zu oft schon verrenkt gewesen.

    1. annesch

      Hast Du zufällig auch mit Histaminüberempfindlichkeit zu tun…? Dabei ist die Schwelle der Histaminmenge, die der Körper verträgt, sehr niedrig und es kommt zu Reaktionen, die andere erst bei superhohen Histaminmengen haben, z.B. den Mengen, die in verdorbenen Lebensmitteln drin sind. Typisch sind z.B. Kopfschmerzen oder Durchfall oder NEsselsucht (viele juckende Quaddeln z.B. an Armen und Beinen ohne von Insekten gestochen worden zu sein). Ich frage, weil ich jetzt bereits von mehreren Lipödem-Betroffenen gehört habe, die auch mit Histaminintoleranz zu tun haben, z.B. https://myyzilla.de/2017/03/27/migraene-trigger-entlarvt/comment-page-1/#comment-15

    2. annesch

      PS: Ach so, typische histaminreiche Lebensmittel ist alles, was lange gereift ist, z.B. Sauerkraut oder lange gereifte Käse (Parmesan), Schinken, Bier (vor allem Hefeweizen)…

  6. Noname

    Nunja, ich bin der Sache bisher nicht nachgegangen… reichte mir irgendwie mit Schreckensdiagnosen (u.A. PCO-Syndrom). Aber es gibt leider Einiges, was darauf hindeutet: Allergien und Unverträglichkeiten (Heuschnupfen, Lebensmittelunverträglichkeiten, Monster-Quaddeln bei Intsektenstichen), meine Haut reagiert auf verschiedene Dinge mit Kontaktallergie auch Hautjucken (scheinbar ohne Grund) vor allem an den Beinen und an den Hüften und Bauch ist mir bekannt, beim Genuss von Alkohol bekomme ich gerne mal einen sogenannten Flush, Kreislaufprobleme und Schwindel hatte ich bisher auf mein labiles Genick zurück geführt. Dass Histamine an all dem schuld sind? Könnte sein, ich habe es noch nicht überprüft.
    Ich finde es sehr interessant, was du hier schreibst, denn ich habe auch schon sehr lange den Verdacht, dass es komplexe Zusammenhänge gibt – vor allem auch mit der Ernährung. Mein größtes Problem ist die Suche nach nach den richtigen Lebensmitteln, da ich mich nicht mit dem Gedanken der Machtlosigkeit abfinden will. Mach weiter so!

    1. annesch

      Danke, ich bin einfach neugierig auf Zusammenhänge…! So ein paar wenige Fallzahlen wie unsere sagen zwar nicht viel aus, aber interessant ist es schon, wenn solche Sachen öfter zusammen auftauchen…

  7. Pingback: Bahn frei…! – Berg- & Talträume

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