Bewegung

Überall ist davon zu lesen, dass Bewegung bei Lipödem sehr wichtig ist, weil sie den Lymphfluss anregt. Wie ich beim Post Singen beschrieben habe, brauchen die Lymphbahnen verschiedene Anregungen z.B. durch die Beinmuskeln oder auch die Atmung und das Zwerchfell, damit die Lymphe besser fließt. Ich bin sehr froh, dass Spazierengehen (im zügigen Tempo) und Fahrradfahren – beides sehr geeignet bei Lipödem oder auch bei Venenerkrankungen – bereits zu meinen Gewohnheiten zählt und mir Spaß macht.

Seit ungefähr zehn Jahren lege ich, außer bei schlechtem Wetter und gegebenenfalls bei Entfernungen über 10 km, fast alle meine Alltagswege mit dem Fahrrad zurück. Schlechtes Wetter ist für mich stark durchnässender Regen oder wenn die Straßen vereist oder voller Schnee sind. Wenn es im Winter kalt und trocken ist (was im Berliner leicht kontinental geprägten Klima oft der Fall ist), fahre ich sehr gern Fahrrad, auch wenn die Temperaturen unter Null sind. So kommen, je nach Terminen und Verabredungen, meist mindestens 5 bis ca. 20 tägliche Fahrradkilometer zusammen. Die fünf Kilometer sind mein Arbeitsweg (Summe aus Hin- und Rückweg), bei Nicht-Fahrradwetter kann ich die Strecke auch laufen und so den ÖPNV vermeiden. Ich hoffe, bald eine neue Arbeitsstelle zu finden – nicht nur, weil ich wieder einen längeren Fahrrad-Arbeitsweg gebrauchen könnte…! 😉 Sechs bis sieben Kilometer eine Strecke fände ich ideal, 20-25 Minuten automatische Bewegung jeden Morgen und jeden Nachmittag, um sich den Schreibtisch aus den Beinen zu strampeln. Um morgens früher los zu fahren oder nachmittags noch einen zusätzlichen Umweg zu fahren, bin ich morgens nicht früh genug auf und nachmittags leider auch nicht diszipliniert genug. Irgendwie bin ich mit dem Fahrrad nicht gerne ziellos unterwegs. Auch wenn ich mehrere schöne Runden kenne, die ich ausprobiert habe, kann ich mich zu einem solchen Fahrradweg ohne Ziel nur selten aufraffen.

Vielleicht liegt das daran, dass Fahrradfahren in Berlin manchmal doch ein bisschen stressig ist, aufgrund des Autoverkehrs (vgl https://twitter.com/Aesche/status/791196573099261956). Auf dem Weg irgendwohin nehme ich das als Nebenwirkung hin, da Fahrradfahren für mich die praktischste, schnellste und angenehmste Fortbewegungsart in Berlin ist. Aber mich dem auch noch zusätzlich auszusetzen, auf dem Weg nirgendwohin, kommt mir dann doch nicht in den Sinn. Als Jugendliche, als ich in der Nähe des Waldes wohnte, bin ich dort oft und mit großem Vergügen Runden gefahren – aber z.B. Sonntags eher nicht, weil mir der Wald da mit Spaziergängern zu voll war… 😉

Zum Gück gehe ich beim Spazierengehen gerne Runden. In den vergangenen Jahren gab es Zeiten, wo ich sehr regelmäßig eine Runde durch die Umgebung gegangen bin, dann wieder wochen- oder monatelang nicht. Seit über einem Jahr habe ich mir angewöhnt, in meiner Mittagspause 15-20 Minuten durch den angrenzenden Park zu gehen. Ich genieße das Wegkommen vom Schreibtisch, da ich oft friere, bringe ich so meinen Kreislauf wieder in Schwung, und es ist schön, die Arbeitsgedanken abzuschalten und im Park und in der Umgebung Beobachtungen zu machen: https://twitter.com/search?f=tweets&vertical=default&q=%40aesche%20%23mittagsrunde&src=typd Seit ich mit den Beinen zu tun habe, habe ich keine meiner Mittagsrunden ausgelassen und gehe auch abends wieder regelmäßig 30-40 Minuten in flottem Tempo spazieren, wenn ich abends nichts anderes vorhabe. Ich merke am nächsten Morgen, wenn ich am Vorabend nicht unterwegs war…

Andere Sachen klappen noch nicht so gut. Von Ferse auf Zehenspitze hin- und herzuwippen, vergesse ich immer, auch wenn es so oft am Tag möglich wäre: beim Zähneputzen, beim Warten auf den Wasserkocher…

Ich habe ein Minitrampolin, dass ich zuvor nicht so gern benutzt habe, wie ich es mir (beim Kauf) erhofft habe. Da es sich mit meiner zusammengestückelten Kompression besser anfühlt als vorher, ist es jetzt mehr im Gebrauch, allerdings federe ich zur Zeit nur („Bouncing“), weil ich das Springen lieber nur mit richtiger Kompression bzw., nachdem ich den Arzt befragt habe, machen will. Das Bouncing ist, nach allem was man liest, gut für die Lymphe, aber ohne ordentliche Kompression könnte Springen und auch alles, was im Sportstudio Richtung Muskelaufbau geht, eher schaden als helfen – wenn die Durchblutung zunimmt, treten auch mehr Stoffe aus den brüchigen Kapillaren in das Zwischengewebe über und müssen vom Lymphsystem wieder abtransportiert werden. Daher warte ich mit solchen Sachen, bis ich beim Arzt war und genaueres weiß.

Was großartig für meine Beine wäre, wäre Schwimmen – das Wasser wirkt wie eine Lymphdrainage. Leider ist Schwimmen in Berlin inzwischen sauteuer – das mir nahe Stadtbad wurde zudem zu einem „Erlebnisbad“ ausgebaut und kostet ab 10:00 h 7,50 € Einritt, was ich ganz schön happig finde. Morgens von 8-10:00 h kostet es 5,50 €, das kann ich mir eher vorstellen, aber da ist wieder die Sache mit dem frühen Aufstehen…! Und gemeinerweise haben die Berliner Bäderbetriebe alle Rabattsysteme wie eine Verbilligung bei Zehnerkarten oder eine Jahreskarte abgeschafft. Ich werde in Zukunft versuchen, mich wenigstens einmal in der Woche morgens zum Schwimmen zu überreden, bevor ich ins Büro gehe – aber gleichzeitig finde ich Bahnen-Schwimmen im Schwimmbad langweilig. Ich schwimme viel lieber in Naturgewässern wie Seen oder im Meer. So ein kleiner schwedischer See bei mir im Hinterhof, das wäre schon eine feine Sache! see_abendsEine Alternative sind noch Aquafit-Kurse, tatsächlich passt einer terminlich im nahen Stadtbad, und in der jährlichen Teilnehmergebühr ist auch schon der Eintritt drin. Jetzt muss ich mal nachfragen, ob der schon voll ist, oder ob man da noch mitmachen kann.

Was Wassertherapie angeht, muss ich demnächst ins Bauhaus fahren und mir einen Mörteleimer kaufen. Warum? Weil ich den dann gefüllt in meiner Badewanne stehen haben kann, um z.B. morgens und abends hineinzusteigen und ein bisschen im Wasser zu treten. Ein Mörteleimer ist ein bisschen breiter und stabiler als ein herkömmlicher Putzeimer, und ich brauche für den Eimer nicht ganz so viel Wasser, um eine angenehme Wasserhöhe zu bekommen, als wenn ich die ganze Badewanne füllen wollte…!

Beide Fotos von annesch, 2016.

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7 Gedanken zu “Bewegung

  1. Ich hasse alles, was mit Springen zu tun hat. War mal mit einer Freundin bei ihrem Tae Bo Kurs, und das richtig unangenehm, weil alles Fett dermaßen in Schwingung gerät, dass man meinen könnte, gleich reißt’s einfach ab und segelt davon.

  2. Fahrradfahren im Stadtverkehr stresst mich immens. Und ich wohne in einer Kleinstadt .. 😀
    Am liebsten fahre ich ziellos über die Felder, folge den Schildern ins nächste Dorf und zur nächsten Stadt. Aber das kann man natürlich eigentlich nur an Wochenenden.
    Aber Innenstadtverkehr auf dem Fahrrad .. neee … dazu sind Autofahrer meist einfach zu betriebsblind. Vielleicht ist das in der Großstadt ja anders. Dass sie dort Radfahrer eher gewöhnt sind.

    1. annesch

      …als Schülerin fuhr ich ja hauptsächlich im Wald und das kurze Stück zur Schule, als ich mich später dann als Studentin in den (Innen-)Stadtverkehr warf, dachte ich: Das halte ich nicht aus! Nichts mit schön meditativ durch das Grün fahren! Aber irgendwann habe ich mich dran gewöhnt… es ist natürlich ein anderes Fahren, viel aufmerksamer und ein bisschen unter Adrenalin, aber insgesamt überwiegen für mich die Vorteile. Nicht zu vergleichen mit den wunderschönen Radtouren, die man in Feld, Wald und Wiesen machen kann. Die Berliner Autofahrer sind auch manchmal betriebsblind, aber inzwischen doch daran gewöhnt, zu jeder Jahreszeit Fahrräder auf der Straße zu haben, und auch daran, dass Fahrradfahrer selbstbewusst auftreten – womit ich kein tollkühnes Beharren meine, denn im Zweifelsfalls verliert beim Zusammenstoß Auto/Fahrrad immer der Fahrradfahrer…

  3. Pingback: Wassereimer – Berg- & Talträume

  4. Owl

    Wassereimer in der Wanne… eine sehr gute Idee! Danke für die Anregung! Ich friere auch immer so schnell als Schreibtischtäter, und ich mag auch keine Wechselduschen (kkkkkalt!). In letzter Zeit habe ich für mich „Klogymnastik“ entdeckt: nach jedem Toilettenbesuch ein paar Kniebeugen, Ausfallschritte oder auch Hampelmänner. Zumindest wenn ich allein bin – nicht von einer Kollegin überraschen lassen! 😉

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