Kompression

(Bild: ro18ger/pixelio.de) Ich bin so froh, dass es kühl ist.

Als meine Beine anfingen, zu schmerzen, war es September – als es tagsüber noch mal so richtig spätsommerlich warm war. Es begann ziemlich graduell, daher kann ich den genauen Zeitpunkt gar nicht nennen. Das die Beine sich nach einem langen, heißen Tag einfach schwer anfühlen, kenne ich seit langer Zeit, das kam mir noch nicht ungewöhnlich vor. Aber normalerweise war morgens alles wieder ok. Dann waren aber die Beine nicht nur schwer, sondern schmerzten abends. Und sie waren nicht erst abends schwer, sondern schon morgens beim Aufstehen. Das war der Zeitpunkt, als ich noch mal verstärkt anfing zu recherchieren und nach und nach zu dem Schluss kam, dass ich ein Lipödem habe (morgen ist der Termin beim Facharzt, über meine Arztsuche blogge ich demnächst auch). Als ich las, das Kompression hilft, kramte ich an Kompression zusammen, was möglich war, um die Zeit bis zur medizinischen Verschreibung zu überbrücken.

Der Effekt war sofort und deutlich spürbar. Weniger schwere Beine, seltener – und wenn doch – dann leichtere Schmerzen. Dieser deutliche Effekt durch Kompression hat dazu geführt, dass ich eine wirklich gute „Compliance“ an den Tag lege – Compliance ist der schicke Begriff für „Therapietreue“ und bedeutet, dass man die empfohlenen Verhaltensweisen anwendet, die verschriebenen Medikamente einnimmt (z.B. die Antibiotika bis zum Schluss der Packung zu nehmen und nicht nur, bis es einem besser geht, da so besser die Entstehung von Resistenzen verhindert wird) etc.

Ich trage die Kompression seit Anfang Oktober jeden Tag, auch wenn es umständlich, manchmal unbequem, manchmal nervig ist. Die Entscheidung fällt leicht, wenn man die Wahl zwischen Umständlichkeit und Schmerzen hat. Aber ich bin, um auf den Einstieg des Artikels zurückzukommen, sehr froh, dass es kühl ist. Die Kompressionsschicht ist morgens beim inzwischen etwas frösteligen Fahrradfahren eine willkommene Zwischenschicht. Allerdings ist mir in Räumen manchmal zu warm, gerade wenn ich mich noch bewege (z.B. in überheizten Kaufhäusern, wo das Personal im Herbst/Winter im T-Shirt rumläuft, während man selbst langärmelig, mehrschichtig und noch mit Jacke unterwegs ist…). Aber ich muss eigentlich nur lang genug stillsitzen, z.B. am Schreibtisch, damit mir schnell fröstelig wird… Aber ich schweife ab. Zur Unterbrechung meines Scheibtischalltags habe ich auch noch vor zu schreiben.

Ich bin froh, jetzt bei kühlen Temperaturen meine (positiven) Erfahrungen mit dauernder Kompression zu machen. Ich weiß nicht, ob ich den Zustand meines Lymphsystems in meinen Beinen durch alle möglichen Maßnahmen verbessern kann, aber ich habe natürlich die Hoffnung, dass bis zum nächsten Sommer die Situation so aussieht, dass ich an den ganz heißen Tagen die Kompression weglassen kann oder eine Kompression in Capri-Länge reicht. (Wobei natürlich an den heißen Tagen das Lymphsystem am meisten leidet…) Ich weiß nicht, ob diese Vorstellung realistisch ist – aber ich werde sie so lange wie möglich beibehalten, weil sie mich motiviert, brav die Kompression zu tragen, mich viel zu bewegen, meine Ernährung zu kontrollieren und einzuschränken usw… Gegebenenfalls werde ich in den kommenden Sommern immer nach Skandinavien oder Schottland reisen müssen – oder auf die Färöer-Inseln, die maximale Temperatur dort für Juli ist mit 12,8° C angegeben…! 🙂

Zur Zeit trage ich medizinische Stützkniestrümpfe der Klasse 2, die hatte ich als Nachsorge für meine kleine ambulante Venen-OP im Mai bekommen. Beim Kontrolltermin eine Woche später hieß es dann, ich müsse sie nicht mehr tragen, da ich die Ärztin drauf angesprochen hatte, dass sie so stark in den Kniekehlen einschneiden. Es sind rundgestrickte Strümpfe, und da ist die Gefahr des Einschneidens stärker als bei den flachgestrickten Kompressionsstrümpfen, wie ich inzwischen gelernt habe. Da es bei der Voruntersuchung vor der OP hieß, bis auf die zu operierende Vene seien alle anderen Venen und Venenklappen in Ordnung, sah ich auch keinen Grund, die Strümpfe weiter zu tragen – bis die Beine anfingen zu schmerzen. Von diesen Strümpfen habe ich nur ein Paar, und eigentlich soll man die jeden Tag waschen, damit sie ihre Form zurückbekommen. Aber das ginge natürlich besser, wenn man zwei Paar hätte – ich wechsele daher mit gekauften Strümpfen aus der Drogerie, weil man die Kompressionsstrümpfe nicht immer über Nacht trocken kriegt (auf die Heizung dürfen sie nicht).

Die Kniestrümpfe brachten etwas Linderung, aber noch besser wurde es, als ich mir erst in der Sportabteilung eines Kaufhauses einen Laufhose mit Kompression kaufte – und schließlich bei einem Drogeriemarkt Kompressionsleggins entdeckte: günstiger und besser (für meine Zwecke) als die Laufhose; ich habe mich gleich mit mehreren eingedeckt… 😉 ) Die Leggins trage ich über den Kniestrümpfen, was außerdem praktischerweise dazu führt, dass diese sich am Bund nicht einrollen und dadurch nicht mehr einschneiden.

Wenn ich medizinische Kompression verschrieben bekomme, gibt es die Möglichkeit, die zweiteilig zu konzipieren: Kniestrümpfe und Capri-Hose (eigentlich so wie jetzt) oder Strümpfe bis zur Leiste und darüber eine kurze Hose – mal sehen, was mir empfohlen wird und was sich als praktischer herausstellt. Auf jeden Fall hoffentlich ohne Fußspitze, aber da ich kein Ödem in den Füßen habe, sollte das kein Problem sein.

Wenn ich drüber nachdenke, ist es vielleicht etwas seltsam, da ich die Notwendigkeit zur Kompression in Zukunft sicherlich oft verfluchen werde. Aber im Moment freue ich mich auf den Arzttermin morgen und die Verschreibung der Kompression und weiterer unterstützender Maßnahmen wie Manuelle Lymphdrainage etc., weil ich mir dadurch weitere Linderung verspreche.

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3 Gedanken zu “Kompression

  1. Ich wäre froh, wenn meine Patienten deine Compliance an den Tag legen würden. Zu viele tragen ihre Strümpfe nur selten oder gar nicht. Aber dann über Schmerzen jammern…
    Viel Erfolg beim Arzt!

  2. Owl

    Ich bin ja jetzt noch nicht weiter vorn und weiß noch nicht, was du bekommen hast 😉 Ich persönlich hatte zuerst eine einteilige Strumpfhose (mit geschlossener Fußspitze) und kam damit nicht besonders gut zurecht. Mit Kniestrümpfen und Capri wurde meine Compliance besser, weil ich irgendwann beschlossen habe: „Du trägst jetzt wenigstens die blöden Kniestrümpfe!“ Irgendwann kam dann die Capri im nächsten Schritt dazu. Bei der nächsten Verordnung bekam ich Oberschenkelstrümpfe und Hotpants, und dabei bin ich geblieben. Ist für Toilettenbesuche praktisch, weil mir da nichts in die Kniekehlen rutscht und ich die Hotpants auch ohne Handschuhe wieder zurechtgezuppelt bekomme (in der Firma immer mit Gummihandschuhen aufs Klo war mir schnell zu doof 😉 ).

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