Beim Arzt

(Bild: Julia Rotter/pixelio.de) Ich hatte heute meinen Arzttermin zum Thema Lipödem bei einem angiologischen Facharzt. Ich war vorher sehr nervös und total hin- und hergerissen. Ich war mir mit der Eigendiagnose des Lipödems relativ sicher – wenn alle Leitsymptome und fast alle weiteren Symptome zutreffen, kann man sich vielleicht auch als Laie relativ sicher sein, auch wenn es sich um ein frühes Stadium handelt. Ich erwartete also ziemlich sicher die Bestätigung meiner Vermutung – und konnte mich nicht entscheiden, ob ich jetzt lieber hören würde, dass ich recht habe (bin ein gaaaanz bisschen rechthaberisch) oder lieber gesagt bekommen würde, dass ich keine chronische, graduell schlimmer werdende Krankheit hätte… 😉

Der Termin war in der diagnostischen Außenstelle eines Krankenhauses, die Patientin vor mir war früher fertig, und der Mensch, der nach mir einen Termin hatte, tauchte nicht auf. Der Arzt rief mich früher auf und nahm sich nicht nur die halbe Stunde, die anscheinend für meinen Termin reserviert war, für mich Zeit, sondern auch noch darüber hinaus, so dass das Ganze über eine Stunde ging und eine sehr positive Arzterfahrung war.

Als ich im Frühjahr meine eine sichtbare Krampfader in der linken Wade hatte machen lassen, hatte mir die Phlebologin mitgeteilt, dass alle anderen Venen und Venenklappen in gutem Zustand seien. Das sagte ich dem Arzt auch, aber er wollte Venenleiden nur aufgrund eigener Anschauung ausschließen (was ich gut fand) und führte eine sehr ausführliche Ultraschalldiagnose durch – das Verhalten der Venen im Liegen, im Sitzen und im Stehen. Im Sitzen und im Stehen hatte ich dann auch vollen Blick auf den Monitor, und als ich nachfragte (und das Bindegewebe erst mal für eine Arterie hielt… :-D), erklärte er mir alles, als Laie sieht man da ja erst mal nur grau-weißes Gestöber. Toll fand ich, dass ich quasi nur einmal mit einer Frage Interesse zeigen musste und er in der Folge alles, was zu sehen war, direkt erläuterte.

Meine Venen, Venenklappen und Arterien bekamen ein ausgezeichnetes Gesundheitszeugnis, was mich sehr freut. Meine Mutter hatte in meinem Alter schon eine große Krampfader-OP hinter sich, und mein Vater hatte später (zum Glück rechtzeitig erkannte) Venenthrombosen. Dass bei der Veranlagung meine Venen in Ordnung sind, ist keine Selbstverständlichkeit! Der Arzt sprach zwischendurch von meinen „zierlichen Venen“ (was gut ist, weil Verdickung/Verbreiterung/Ausdehnung bei Venen schlecht ist) – *preen* im Kontext zu mir wird so selten das Wort „zierlich“ gebraucht…! 😉 Ich kann es nur dem vielen Fahrradfahren und Spazierengehen zuschreiben…

Der Arzt schaute sich dann im Ultraschall das entsprechende Gewebe an und fand auch das entsprechende „Schneegestöber mit echoreichen Septen„, das anscheinend typisch für das Lipödem ist. Somit wäre also meine Diagnose bestätigt, der Arzt wird mir einen entsprechenden Arztbrief schreiben – dann kann mir meine niedergelassene Hausärztin oder ein Phlebologe etc. auf dieser Grundlage die Rezepte für Kompression usw. ausstellen. Das Lipödem bei mir ist zumindest in einem gewissermaßen „harmlosen“ Stadium, verglichen mit anderen, weil es noch nicht zu einem Lymphödem oder anderen Spirenzchen geführt hat, sondern erst mal „nur“ schmerzt und unangenehm ist.

Nach der Untersuchung folgte ein Gespräch, in dem er sehr ausführlich den zeitlichen Kontext unter allen möglichen Aspekten abfragte, um herauszufinden, was möglicherweise den schmerzhaften Schub seit ca. September ausgelöst hatte – dass das Lipödem bei mir nicht neu ist, war klar, aber ich habe es ja als Problem über das Figürliche hinaus erst dann wahrgenommen, als es zu schmerzen anfing. Wir kamen auf ein paar Zusammenhänge, bei denen er auch noch mal recherchieren wollte… Möglicherweise kann der aktuelle Auslöser eindeutig identifiziert und dann eliminiert werden, so dass die Schmerzen zurückgehen.

Auf irgendeine Art und Weise bin ich aber froh, dass sich das Lipödem in einem relativ frühen Stadium auf eine Weise und zu einem Zeitpunkt bemerkbar machte, zu dem ich Energie und Kapazitäten hatte, mich sofort drum zu kümmern – anstatt das als „naja, jetzt schmerzen dir eben die Beine, geht auch wieder vorbei“ abzutun oder erst mal abzuwarten, was sonst gerne meine Default-Haltung ist. Da Lipödeme mit der Zeit fortschreiten und schlimmer werden, ist es besser, so früh wie möglich etwas mit Kompression, Bewegung und Abnehmen zur Entlastung für die Beine und das Lymphsystem zu tun, um den Verlauf zu verlangsamen.

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Ein Gedanke zu “Beim Arzt

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