Meine Fettlogik I

(Bild: birgitH/pixelio.de) Nadja Hermann aka erzählmirnix hat ja bekanntermaßen das Buch „Fettlogik überwinden“ geschrieben, das ja auch für mich ein Auslöser war, das Projekt Abnehmen erneut zu in Angriff zu nehmen – auch wenn noch das eine oder andere für mich dazukommen musste, wie hier und hier beschrieben. In den letzten Tagen ist mir noch mal deutlich geworden, welche Fettlogik eigentlich für mich eine große Rolle gespielt hat.

Nachdem ich vor Jahren nahe an den 100 Kilo war (BMI ca. 35), hatte ich ja glücklicherweise ca. 15 Kilo verloren und bewegte mich lange um die 85. Meine Figur war, wie bereits beschrieben, oben herum ziemlich schlank geworden, untenrum weiterhin sehr ausladend. Noch bevor durch die Presse ging, dass leichtes Übergewicht angeblich sogar gesund sein soll (zu diesem Thema z.B. einer der letzten Absätze in dieser Samstagssammlung von Erzählmirnix aus dem Jahr 2015), war ich davon überzeugt, dass es gesundheitlich um mich eigentlich jetzt ganz gut stünde, auch wenn ich mit meiner Figur nicht zufrieden war. Dass meine Blutwerte in Ordnung waren, erfuhr ich in einem anderen Kontext, der nichts mit meinem Gewicht zu tun hatte, was für mich besonders zählte (und vielleicht auch stimmte), war, dass ich mich mehr bewegte als viele (schlankere) Leute in meinem Bekanntenkreis.

Zu dieser Zeit (auch heute noch) fuhr ich je nach Wetterlage 9-11 von 12 Monaten im Jahr Fahrrad und legte, wenn ich mal meinen Arbeitsweg und gewohnheitsmäßige Wege grob überschlage, bis 2011 ca. 80-90 Fahrradkilometer in der Woche zurück, ab 2011 bis 2013 sogar locker 120-140 km in der Woche, weil allein 10 km auf jedem Hin- und auf jedem Rückweg zur Arbeit fällig wurden. (Heute sind es leider aufgrund eines kurzen Arbeitsweges nur noch 40-50 km pro Woche.) Wenn Leuten irgendwann auffiel, dass ich überall mit dem Fahrrad auftauchte, auch bei Wind und Wetter, kam häufiger die Frage, wieviel ich denn fahren würde. Und wenn ich die grobe Schätzung sagte, kam so gut wie immer die Aussage, dass sie sich jeweils nicht so viel bewegen würden, wie ich alleine durch die Fahrradwege (zusätzlich war ich durchschnittlich einmal die Woche im Fitnessstudio, hauptsächlich an den Muskelgeräten – und danach in der Sauna! :D). Dazu kamen die oft genannten Grenzwerte für den Bauch-/Taillenumfang, die als ein Maßstab für Gesundheit angeführt werden: für Frauen gilt ein Taillenumfang von mehr als 80 cm als Risikofaktor für das Auftreten von Krankheiten wie koronare Herzkrankeit, Schlaganfall oder Diabetes Typ II. Ich lag mit meiner Birnenfigur weit unter diesem Wert (um die 70 cm, oft darunter) und fühlte mich daher auf der sicheren Seite. Daher also damals mein Eindruck, dass ich trotz Übergewicht ziemlich fit war (was stimmen mag) und dass für mich Gesundheitsgefahren nicht ganz so groß waren wie für Leute, die Übergewicht vom sogenannten Apfeltyp mit sich herumtragen.

Ob das nun stimmt oder nicht, die Sache mit dem Lipödem hat mich natürlich ins Nachdenken gebracht. Es gibt unterschiedliche Meinungen, manche (auch Ärzte) sind der Meinung, es sei eine spezielle Form von Übergewicht und werde in erster Linie durch Übergewicht in Verbindung mit anderen Faktoren ausgelöst. Viele andere sprechen vom Lipödem als einer Veranlagung und einer Störung, die nicht von Übergewicht, sondern von hormonellen Umstellungen im Frauenleben wie Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahren ausgelöst werden kann. Was auch immer stimmt – vielleicht liegt die Wahrheit auch irgendwo in der Mitte. Aber ich denke natürlich schon darüber nach, ob ich jetzt mit schmerzenden, schweren Beinen zu tun hätte, wenn ich Zeit meines Lebens einen BMI von 25 oder weniger gehabt hätte. An einigen Stellen ist davon die Rede, dass die Störung zwischen 20 und 30 Jahren beginnt und dass nach 15-18 Jahren, wenn es unbehandelt bleibt, Komplikationen wie Überlastung des Lymphsystem und Gefahr eines zusätzlichen Lymphödems auftreten – was vom „Zeitplan“ exakt auf meinen Fall zutrifft… :-(. Ob ich, wenn man mir vor 10 oder 15 oder 5 Jahren gesagt hätte: „Nimm ab, sonst werden dann und dann deine Beine anfangen zu schmerzen, eventuell fangen sie sowieso an zu schmerzen, auch wenn du abnimmst“, es geschafft hätte, vom Übergewicht runterzukommen, ist natürlich reine Spekulation. Es ist ja nicht so, dass ich in diesen ganzen Jahren nicht immer wieder versucht habe, abzunehmen. Nur fehlte teilweise das richtige Wissen, das ich jetzt dank Nadjas Buch habe, und andererseits ist das Gesundsheitsthema, wie schon öfters angemerkt, für mich jetzt ein gewaltiger Motivator. Ob das Wissen um die Möglichkeit von Schmerzen in der Zukunft genauso gewirkt hätte, sei dahingestellt.

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