Hilfsmittel-Allerlei

(Foto: Rainer Sturm/Pixelio) Ich weiß nicht, wo ich den Vergleich zwischen Ernährung und Finanzen das erste Mal gelesen hat, er liegt auch schon in den verwendeten Wörtern oft nahe – Kaloriendefizit, Bilanz, Budget… Und die Fähigkeit, irgendwann ohne Kontrolle nicht zu viel zu essen, ist etwas, was sich viele von uns, die wir mit Gewicht und Abnehmen und Figur beschäftigt sind, wünschen. Irgendjemand schrieb neulich, dass man einer überschuldeten Person auch nicht raten würde, nach dem Gefühl zu gehen, sondern besser eine Einnahmen- und Ausgabenbilanz zu führen: dass sich als Langzeitziel dann ein „Gefühl“ dafür einstellt, was wieviel kostet, was einem wieviel wert ist (und was man lieber nicht kauft) und welche Anschaffung man sich leisten kann, ist zu hoffen. (Ich habe gerade gesucht, wo ich das neulich gelesen habe und nicht gefunden, falls Ihr es wisst, oder Ihr es geschrieben habt, bitte Bescheid sagen, dann verlinke ich es gerne!)

Ähnlich funktiniert es mit dem Abnehmen. Das Übergewicht ist ja gerade deswegen da, weil einen das Gefühl, welche Menge an Essen man braucht, in die Irre geführt hat bzw. von Faktoren wie Stress, Belohnungsstrukturen etc. beeinflusst war. Daher macht man es sich meiner Meinung nach unnötig schwer, wenn man abnehmen will, ohne sich zumindest eine Zeitlang mit den harten Zahlen von Tagesbedarf, Kalorien, Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten auseinanderzusetzen – um dann mithilfe dieser äußeren Maßstäbe mit der Zeit eine Gewöhnung, ein Gefühl aufzubauen (und Gewicht zu verlieren).

Ich habe im Lauf meiner Abnehmjahre einiges an Hilfsmitteln, die einem in irgendeiner Form Rückmeldung zu den Zahlen und der Realität bieten, ausprobiert – einiges hat sich für mich besser, einiges weniger gut bewährt.

Regelmäßiges Wiegen: Für mich bedeutet das tägliches Wiegen. Zeiten, in denen ich mich nicht wiege, korrespondieren seit Jahren immer mit Zunahmen. Das tägliche Wiegen zur selben Zeit (morgens auf nüchternen Magen finde ich immer am besten vergleichbar) erspart einen den Frust, den man beim wöchentlichen Wiegen hat, wenn man einen blöden Tag mit Wassereinlagerungen erwischt. Als Kind (bereits mit Übergewicht) stellte ich mich immer Samstags, bevor es am Abend in die Badewanne ging, auf die Waage. Dass es da manchmal ein halbes Kilo rauf oder runter ging, ohne dass es einen Zusammenhang zu Diätanstrengungen gab, war für mich oft enorm frustrierend. Nun legt man als präpupertierendes Kind wahrscheinlich noch nicht solche Wasserlager an wie als erwachsene Frau, gleiche Bedingungen jede Woche waren aber nicht gegeben, ob ich an dem Tag viel getrunken hatte oder nicht, ob es vor dem Abendbrot war oder hinterher…

Tägliches Wiegen ist vor allem dann von Vorteil, wenn man es im Aufschreiben mit der Methode kombiniert, dass als Gewicht ein Durchschnitt der letzten 7 oder 10 Tage gilt. Ich bin darauf zum ersten Mal bei „The Hacker’s diet“ von John Walker gestoßen, der auch entsprechende Excel- und Browserbasierte Formulare bietet. Klar sinkt das Gewicht erst mal weniger schnell, wenn der Messpunkt ein Durchschnittswert der letzten sieben Tage ist – aber frustrierende Wassereinlagerungen wirken sich auch nicht so schnell auf die Gewichtskurve aus. John Walker bietet also die entsprechenden Tools auf seiner Webseite, ich nutze inzwischen eine App, die sich Libra nennt. Sie ist einfach und schlicht, auch offline zu bedienen, allerdings mit Werbung, wenn sie online ist. Sie bietet nette motivierende Fakten wie das Datum, an dem man sein Zielgewicht erreicht, wenn die Abnahme nun so weitergeht wie bisher, lässt sich auf BMI-Kurve umschalten, gibt mir eine Rückmeldung darüber, wie groß mein Kaloriendefizit in den letzten Wochen durchschnittlich war, in der Rückschau aus meinem Gewichtsverlust berechnet.

Kalorien kann man entweder auf Papier aufschreiben (kenne Leute, die das bevorzugen und das irgendwie direkter und eindrücklicher finden), ich nutze dafür die fddb.info-Datenbank und eine der Apps, die als Extender dienen. Früher habe ich eine Zeitlang Noom benutzt – die wurde mir irgendwann zu aufwendig und verspielt. Anfangs hatten sie ein System, wo man seine Kalorien nur schätzte: grüne, rote, gelbe Viertel-, Halb- und Vollkreise, mit dem Argument, dass Kalorienangaben sowieso eine Schätzung seien und Abwiegen nur zeitraubend sei. Aber ähnlich wie bei Weight Watchers (habe ich mal ganz früher probiert) mit seinem Punktesystem neige ich bei solchen Systemen zu leicht zur (Selbstbe-)Mogelei. Ich nannte bei Noom dann etwas eine handtellergroße Portion Reis, obwohl es vielleicht eher 1,5-2 Handteller waren. Und mal ehrlich: Ich habe selten einen Golfball in der Hand gehalten, daher fiel es mir sehr schwer, zu entscheiden, ob eine (flache) Scheibe Käse dem Volumen eines Golfballs entsprach (was eine der Einordnungsmöglichkeiten war, die Noom anbot) oder mehr oder weniger war.

Seit Jahren nutze ich parallel zur Waage auch das Maßband – eine Reihe von Messpunkten, die immer die gleichen sind, und anhand derer ich sehen kann, wo gerade das Gewicht weggeht. Oder ob sich vielleicht sogar etwas positives tut, obwohl die Waage gleich bleibt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man als Übergewichtige gerne die ungeliebten Stellen des Körpers ausblendet und in gewissem Maß das Körpergefühl verliert. Neben der Maßband-Sache hat mir wöchentliches Feldenkrais sehr dabei geholfen, Regionen und Muskeln meines Körpers wieder oder zum ersten Mal wahrzunehmen, die ich ausgeblendet habe. Yoga und Pilates haben wahrscheinlich ähnliche Auswirkungen, kann ich mir vorstellen. Eine Zeitlang habe ich das Maßband benutzt, das ich als Werbemittel von einem Klamottenanbieter zugeschickt bekam – es rollte sich selbst in einem Kästchen auf, was ich praktisch fand. Weniger praktisch fand ich es, als ich merkte, dass sich das Material mit der Zeit dehnte! So waren irgendwann reale 35 cm z.B. 32 cm auf dem Maßband… – ein simples Schneidermaßband tut es also auch.

Ein letztes Hilfsmittel will ich noch vorstellen – ein weiterer Bereich, in dem ich mich auf mein Gefühl nicht verlassen kann, ist der Schlaf. Ich werde abends (nach 20:00 h) noch mal richtig munter und energiegeladen, wenn ich nach dem Gefühl ginge, würde ich immer erst im 2:00 h das Licht ausmachen, was auf die Dauer zu einem ziemlichen Schlafdefizit führt. Und selbst wenn ich morgens wahnsinnig müde bin, kriege ich abends wieder diese Wachphase, so dass sich das nicht von selbst ausgleicht. Typische Eule eben. Zu Uni-Zeiten hatte ich ein solches Schlafdefizit, dass ich, sobald ich im Bus oder in der U-Bahn saß, einnickte, und manche Vorlesung war ein Kampf gegen das Blei auf den Augenlidern – und das lag nicht unbedingt an den jeweiligen Professor_innen. Nun ist Übergewicht mit Schlafmangel zumindest korreliert – wie genau die Zusammenhänge sind mit Hormonausschüttung, zusätzlichem Appetit wird anscheinend untersucht, ich habe Hinweise auf Studien hier und hier gefunden.

Jedenfalls gelingt es mir besser, mich rechtzeitig ins Bett zu schicken, wenn ich eine Art Schlaftagebuch führe: natürlich auch per App… :-). Ich habe mein erstes Smartphone 2009 in einem Preisausschreiben gewonnen, ich nutze es nicht mehr online, weil es zu lahm geworden ist und der Akku schnell schlapp macht, aber es ist mein Wecker und mein Nachttisch-Notizbuch. Darauf habe ich eine alte Version des Sleep-Bot, noch ohne Schlafzyklus-Funktion. Ich nutze ihn als Wecker und schalte ihn abends, wenn ich das Licht ausmache, ein, so dass meine ungefähre Schlafzeit gemessen wird – und ich sehe, ob ich im Durchschnitt der letzten 10 Tage eine Schlafdauer von 7,5-8 Stunden hatte, oder ob ich bereits ein großes Schlafdefizit angehäuft habe. Es wirkt vielleicht albern, aber diese Zahlen helfen mir tatsächlich, den vernünftigen Entschluss zu treffen, früher ins Bett zu gehen oder früher das Licht auszumachen. Während ich wegen eines spannenden Buchkapitels problemlos über mein Gefühl der Müdigkeit, wenn es sich denn mal abends einstellt, hinweglesen kann… 🙂

Was sind Eure Hilfmittel uns Tricks? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

 

 

 

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6 Gedanken zu “Hilfsmittel-Allerlei

  1. Das mit dem Golfball hat mich nun genug verwirrt, um nach „Volumen Golfball“ zu googlen! 😀
    Die Antwort glaube ich nicht und würde zu sehr viel Käse führen!
    Mein bestes Hilfsmittel ist das intermittierende Fasten. Denn wenn man den Großteil des Tages eh nichts isst, kann man in den verbleibenden Stunden auch mit viel Willen keinen wirklichen Schaden anrichten.
    Ich denke, das werde ich auch nach der Abnahme beibehalten. Und nur die beiden Mahlzeiten ein wenig nach oben ergänzen und den verbleibenden Kalorienrest mit Schokolade füllen. Nein, das mit der Schokolade stimmt nicht ganz. Ich werde auch bei low carb bleiben, weil das zusätzlichen Spielraum gibt. Also Schokolade nur am Kohlenhydrate-Refeed-Day.
    Ich nutze – obwohl technikaffin – keine Apps. Meine Küchenwaage reicht mir. Um alles, was ich esse, irgendwo einzutragen bin ich viel zu faul! 🙂

  2. Ich wollte dir eigentlich schon eher hierauf antworten, naja.
    Ich finde deine Zeilen toll. Ich lese mich in mehreren Sachen wieder wie bspw „bewusstes“ nicht-wiegen, wenn es wieder rauf geht. Ich habe am Wochenende bereits einen Eintrag angefangen, der sich um das Thema Tracking dreht. Ich denke, morgen werde ich ihn fertig haben haha, aber ich fand es irgendwie passend und auch ein Stück belüstigend, dass wir relativ zeitnah das Thema behandeln. 🙂
    Ich nutze ein Fitness-Armband, eine Waage, die automatisch die Daten in eine App schreibt, damit ich nicht mogeln kann und als App zum Kalorien zählen hat mich FDDB überzeugt. Noom habe ich auch eine Zeit lang verwendet, sogar mit Premium. Leider hat sich aber meine tolle Gruppe aufgelöst, weswegen ich auch nicht verlängerte. Kalorien hatte ich schon länger nicht mehr über Noom gezählt. Das war auch weitesgehend zu der Zeit als ich in Brasilien war und die meisten Zutaten hatten sie nicht in der Datenbank.
    Mein Fitness Armband trackt auch meinen Schlaf, obwohl ich glaube, dass es nicht ganz korrekt funktioniert (es zeigt, ich schlafe noch, obwohl ich mir schon die Zähne putze bspw.), aber ich nehme an, dass es grob stimmt und das reicht mir, um einen Überblick zu haben wie viele Stunden in etwa ich geschlafen habe.

    1. annesch

      Nach meinem Wachheitszustand morgens zu urteilen, hätte so ein Fitnessarmband sogar recht, wenn es behauptete, dass ich beim Zähneputzen noch schlafe… 😉

    2. annesch

      Ich habe meinen Spaß an Excel-Tabellen entdeckt, was sich in meinem Berufsfeld auch ganz gut macht, wenn ich es in den Lebenslauf schreiben kann – ich muss ja nicht dazuschreiben, dass ich meine Formelexperimente anhand von Tabellen zum Abnehmen entwickelt habe… Über Excel wollte ich die nächsten Tage auch noch bloggen…

  3. tezum

    Erst einmal finde ich diesen Bericht super schön geschrieben – sehr guter Beitrag, der mir aus der Seele spricht 🙂

    Wiegen: Ich selbst bin ein Wiegoholiker. Jeden Tag zur gleichen Zeit ist ein unbedingtes Muss. Ohne fühle ich mich nackt. Einmal wöchentlich scheidet für mich ebenfalls aus den von Ihnen genannten Gründen (schlechter Tag, Wasseransammlung etc. ) aus. Ich brauche den Durchschnitt als Sicherheit und für meine Motivation.

    Kalorien zählen: Manchmal wünschte ich mir, Siri wäre so weit und könnte mein Essen automatisch aufzeichnen, ohne Tipperei und Sucherei. Aber da werden wir noch ein paar Jährchen warten müssen – schätze ich. Ich habe am Anfang FDDB benutzt, dann zu einem normalen Notizbuch umgeschwenkt, weil ich da schneller war, als das Lebenmittel bei der App zu suchen. Auf das Protokollieren meines Essens kann ich leider nicht verzichten. Nach einer Zeit würde ich komplett den Überblick verlieren. Und da ich immer Hunger habe und nie so richtig satt bin – tja….die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es mit meinem Gewicht dann IMMER in die andere Richtung geht, nämlich aufwärts.

    Einen coolen Trick habe ich aber dennoch parat, funktioniert aber nur, wenn man einen „normalgewichtigen“ Partner hat. Meine Frau hat einen BMI von 60 und isst gefühlsmäßig etwa 1700 – 2000 kcal – ohne das zu zählen. Ihr Gewicht ist schon seit vielen Jahren immer gleich, Plus Minus 1-2 kg. Wenn wir in Urlaub sind und ich nicht zählen möchte, dann esse ich einfach exakt das, was sie isst und bin so immer im grünen Bereich (….nur manchmal leider noch hungrig….grins!) Funktioniert bombensicher und kann man auch mit jedem x-beliebigen anderen Normalgewichtigen machen.

    Finanzen: Ich habe mir mal eingebildet, die täglich verfügbaren Kalorien muss ich mir verdienen. Also z.B. möchte ich am Tag maximal 1750 Kalorien ausgeben. Eine Tafel Schokolade kostet 580 Kalorien, eine Tüte Chips 1000 und ein Brötchen mit Käse 300 Kalorien. Und wenn ich mir mehr leisten wollte, musste ich aushilfsweise im Fitnessstudio arbeiten und verdiene 600 Kalorien in 1,5 Stunden Muskeltraining. Die Vorstellung gefiel mir und machte mir bewussst, wie teuer manche Lebensmittel sind 😉

    Ich darf alles essen, muss auf nichts verzichten, aber: Ich muss es mir verdienen. Das gibt mir die Befriedigung und das Wohlgefühl aus dem Essen, was ich brauche.

    In diesem Sinne wünsche ich ein erfolgreiches Abnehmen.

    Es grüßt Tezum von http://tezumrollo.wordpress.com

    1. annesch

      Die Copy&Paste-Strategy gefällt mir sehr gut – mal darüber bloggen, das interessiert bestimmt auch andere? Habe bei erzählmirnix‘ FLÜ-Blog schon oft Kommentare von Leuten gelesen, die nach einer Strategie für den All-Inlusive-Urlaub suchten – das könnte eine sein! Solange man nicht bei fremden (schlanken) Personen über dem Teller hängt und die Details zählt – womöglich handelt man sich da eine Anzeige wegen Mahlzeiten-Plagiats ein! 😁

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