Fahrradfahren – aus reiner Faulheit

Heute habe ich (beim Radfahren) darüber nachgedacht, dass ich eigentlich nur aus reiner Faulheit das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel nutze. Die Fortbewegung mit dem ÖPNV finde ich viel anstrengender. Ich finde es wahnsinnig nervig und ermüdend, an der Bushaltestelle oder auf dem U- oder S-Bahnsteig zu stehen und auf einen Bus, eine U-Bahn oder S-Bahn zu warten. Langweilig meistens noch dazu. Bewegungslos rumstehen ist für mich unerträglich (nicht aus Hyperaktivität, bewegungslos rumsitzen kann ich ganz gut), lieber tigere ich dann an der Haltestelle oder auf dem Bahnsteig hin und her.

Ausgesprochen lästig finde ich den Transport von entweder schweren oder großen Sachen mit Bus und Bahn. Haufenweise Bücher in die Bibliothek bringen. Oder Einkäufe nach Hause schleppen. Beides nicht so meins mit Bus und Bahn. Auf dem Fahrrad dagegen: kein Problem. Auf meinem Gepäckträger habe ich schon große Lasten transportiert – bis hin zu unzusammengebauten Küchenhängeschränken oder Sofas (allerdings ein kleines) von IKEA. In beiden Fällen hatte ich mich darauf eingestellt, das Fahrrad zu schieben (zugegeben: IKEA ist nur 2 km von mir entfernt), stellte aber fest, dass das Fahren trotz der großen Last problemlos möglich war, solange alles gut ausbalanciert war. Bei Ikea gibt es im Ausgangsbereich (auch bei vielen Baumärkten) Packschnur, von der ich mir eine Länge mitnehme, falls ich fürchte, dass mein Gepäckträgerbefestigungsgummi (wie auch immer man so etwas nennt) nicht ausreicht: mit 2-3 m Schnur kriegt man alles festgebunden. Ich schiebe vom Hauseingang das Fahrrad direkt bis zu meinem Hinterhofeingang, so dicht mit so wenig Trageweg könnte kein Auto parken… 😉

Während ich aus Spaß an der Freude abends oder mittags gerne eine kleine oder größere Runde spazierengehe, greife ich für „Erledigungen“ (Einkauf, Briefkasten etc.) immer zum Fahrrad, auch für kurze Strecken. Es geht schneller und es ist weniger ansstrengend. Früher war meine Hausärztin nur 300 m von meiner alten Wohnung entfernt, das kriegte ich auch im kranken Zustand hin. Als ich mich letztes Jahr in der neuen Wohnung mit einer Grippe herumschlug und nach dem dritten verpassten Arbeitstag eine Krankschreibung brauchte – und endlich eine Arztpraxis fand, die in der Osterwoche offen hatte -, stand ich vor der Wahl: Zur Bushaltestelle laufen, auf den Bus warten, 5 Minuten Bus fahren, laufen. Oder aufs Rad steigen, 5-10 Minuten im krankheitsbedingten Schneckentempo eine einfache Strecke fahren. Ich entschied mich fürs Fahrrad, es war für mich weniger anstrengend als die andere Option. Ich war hinterher völlig fertig, aber wusste, dass ich den ÖPNV anstrengender gefunden hätte. Später fiel mir ein, dass Taxi auch eine Option gewesen wäre, aber diese Möglichkeit hatte ich schlicht nicht auf dem Schirm, weil ich so selten Taxi fahre…

Das Fahrrad ist vor allem auch schneller. Meiner Erfahrung von Strecken, die ich häufig zurücklege: bis zu einer Entfernung von 10 km ist das Fahrrad immer schneller als der ÖPNV. Es sei denn, es wäre eine U-/S-Bahnstrecke ohne Umsteigen und mit kurzen Wegen zur und von der Station. Aber meistens muss man ja doch umsteigen und warten und noch ein Stück laufen, so dass das Fahrrad insgesamt schneller ist. Vor allem auch angenehmer. Ich hatte mehrere Jahre lang einen Arbeitsweg von 10 km. Im Winter (also die Zeit, wenn ungeräumter Schnee/Eis das Fahren auf kleinen Straßen, Fahrradwegen und Parks schwierig machen – kalt mit trockenen Straßen ist dagegen genial zum Fahrradfahren) mit der U-Bahn zu fahren, fand ich anstrengend und nervig. Es gibt nichts angenehmeres, als nach einem Tag im Büro sich den Schreibtisch aus den Füßen zu strampeln! Zur Zeit habe ich einen so kurzen Arbeitsweg (2,5 km), dass ich ihn fast immer mit dem Fahrrad zurücklegen kann, wenn es gar nicht geht, laufe ich eher. Jedenfalls habe ich in den letzten Wintern nie eine Monatskarte gebraucht, weil die Tage, an denen ich den Weg nicht radeln konnte, wirklich wenige waren. Ansonsten habe ich zur Zeit regelmäßige Strecken von 5 oder 7-8 km, die ich regelmäßig und oft fahre, und die Strecken, die ich einmalig wegen irgendeines Anlasses zurücklege.

Für das komplette Bild muss ich natürlich zugeben, dass ich keinen Führerschein habe. Aber es hat mich auch nie interessiert. Zugegeben, wenn ich auf dem Land mit langen Distanzen und ohne guten ÖPNV wohnen würde, müsste ich wahrscheinlich mich doch mit dem Thema Auto auseinandersetzen. Aber hier in der (Groß-)Stadt? Ich habe nie die Probe aufs Exempel gemacht, aber ich vermute, dass ich bei allen Strecken, bei denen Autofahrer nicht auf die Stadtautobahn zurückgreifen, nicht so viel langsamer bin als im Auto. Ich muss nicht erst zum geparkten Auto (mehr oder weniger weit weg geparkt) laufen. Ich habe oft auf bestimmten Strecken immer wieder dieselben Autos mit mir an den Ampeln stehen, weil die Autos schlicht und ergreifend nicht schneller vorankommen als meine durchschnittlichen 25 km pro Stunde. Und, größtes Zeitersparnis-Plus: Ich muss (fast) nie einen Parkplatz suchen! Die Fälle, wo mir nicht sofort ein Laternenpfahl oder ähnliches ins Auge fällt, um das Fahrrad anzuschließen, sind die absolute Ausnahme. Meistens reicht es dann, einfach die Straßen zu überqueren.

Ich finde Fahrradfahren tatsächlich die Fortbewegungsmethode, die für mich am praktischsten, am bequemsten, am unanstrengensten, am stressfreisten ist. Selbst unter den teilweise haarsträubenden Fahrrad-Infrastrukturbedingungen, was Rad-Wege-Zustand oder nicht vorhandene Radspuren etc. angeht… Demzufolge ist es, wie gesagt, reine Faulheit, dass ich radfahre: Denn es erspart mir dazu auch noch den Gang ins Fitnessstudio, zumindest, was das Konditionstraining und meine Beinmuskeln angeht…! 🙂

 

 

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6 Gedanken zu “Fahrradfahren – aus reiner Faulheit

  1. Es kann bei mir vorkommen, dass ich aus lauter Faulheit lieber zum Supermarkt laufe statt zu radeln – weil ich keine Lust habe, das Rad aus dem Keller zu holen. Ansonsten hast du recht: bestimmte Strecken, gerade innerorts, kann man besser mit dem Fahrrad erledigen.

    1. annesch

      Oh ja, wenn ich das Rad aus dem Keller holen müsste, wäre ich auch nicht so enthusiastisch! Das Schöne ist, aus der Seitenflügeltür zu treten, Gepäck auf den Gepäckträger, Fahrrad loszuschließen ( wir haben zum Glück viele Stellplätze im Hinterhof) und raus aus dem Hof und los…

  2. mihani

    Das war bei mir auch lange so. Hier ist es leider zu hügelig, um bequem zu radeln. Oder meine Wege sind so kurz, dass es sich überhaupt nicht lohnt, das Rad ganz hinten aus dem Schuppen zu pulen, da bin ich zu faul. Ich freu mich schon auf’s Fahrradfahren nach dem Umzug ins Flachland! Dazu gibt’s dann hoffentlich ein neues…

    1. annesch

      Ich weiß ja nicht, wie es bei Euch im zukünftigen Flachland aussehen wird, aber ich habe schon mehrfach gezögert, mir ein neues Rad zuzulegen – aus Angst vor Diebstahl in Berlin… Dann doch lieber mein gelegentlich aufgemotzter (neue Kette, neue Ritzel, neue unplattbare Reifen, Nabendynamo, Gepäckträger, neues Tretlager) Rostesel, den auf den ersten Blick niemand mehr haben will, der sich aber gut fährt… 🙂 Das Rad auf dem Bild ist übrigens das Fahrrad aus dem Schwedenurlaub, ohne Gangschaltung, fuhr sich super, nur das erste Mal bergab ohne Handbremse war ich ein bisschen panisch, bis mir wieder einfiel, wie ein Rücktritt funktioniert… m)

  3. Als „Bergbewohner“ fahre ich dennoch oder gerade wegen der hiesigen Verkehrsverhältnisse dito täglich mit dem Rad, das Auto ist mangels Nutzung verkauft worden. Es geht mir gut mit Licht, Luft, und Sonne, auch wenn es in dieser Jahreszeit nicht immer die reine Freude ist.

  4. Paketschnur ….. 🙂
    Bei uns „aufm Land“ ist das Strohschnur. Also das, womit Heu- und Strohballen (die kleinen, keine Rundballen) zusammengebunden sind. Damit kann man ALLES machen. Mein Vater hat damit schon kurzfristig einen Keilriemen am Traktor ersetzt. Und die Schnur ist unzerstörbar. Für alle Festbindebedürfnisse geeignet!
    Und ja – wenn man nicht in der Großstadt lebt ist ein Führerschein schon unerlässlich. Aber innerhalb der Stadt ist auch hier ein Fahrrad unschlagbar. Größter Unterschied: Fährt man in der Großstadt (ja, ich weiß .. aus Deiner Sicht ist Heidelberg maximal ein Stadtbezirk :D) Fahrrad sind die Autofahrer rücksichtsvoll. In der Kleinstadt ist man Freiwild. Da guckt keiner!

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