Zwischenstand Thema Lipödem

Heute habe ich von der Krankenkasse die Bewilligung für die Kompressionsversorgung bekommen – wie ich finde, ein guter Zeitpunkt für einen kleinen Zwischenstand zum Thema Lipödem und Abnehmen. Tatsächlich habe ich ganz schön geschluckt, als ich die Kostenvoranschläge des Sanitätshauses für die flachgestrickte Kompressionsversorgung gesehen habe und bin sehr froh, dass ich nur eine Zuzahlung leisten muss und die Kasse den ganz großen Teil als medizinisches Hilfsmittel übernimmt. Jedenfalls hoffe ich, dass ich die fertige Kompressionsversorgung noch in diesem Jahr in den Händen halten werde, weiß aber nicht, wie schnell so etwas angefertigt wird, nachdem die Messungen vorgenommen werden (Termin am kommenden Freitag Morgen).

Ich freue mich auf die flachgestrickte Kompression, denn die etwas zusammengestoppelte Kompression, die ich jetzt trage, aus rundgestrickten Kniestrümpfen Kompressionsklasse II plus handelsüblichen Leggins, die sich Kompressionsleggings nennen, lindert zwar durchaus das Schweregefühl und verhindert, dass meine Beine abends richtig schmerzen.Daher ziehe ich sie auch täglich an. Aber gleichzeitig schneidet die rundgestrickte Ware im Lauf des Tages im Wadenbereich ein, was bei flachgestrickter nicht der Fall sein soll.

Abnehmtechnisch kann ich bisher ganz zufrieden sein. Je nachdem, ob ich die absoluten Zahlen oder die durchschnittlichen „Trendzahlen“ betrachte, habe ich 7,5 bis knapp acht Kilo abgenommen. Wie erwartet habe ich am meisten am Oberkörper abgenommen, nämlich 6 cm an der Taille, im Bereich über der Taille sind es 2-3 cm, am Bauch unterhalb der Taille 8 cm. An den Beinen ist es wie erwartet weniger: an den Stellen vom Knöchel bis zum Knie so gut wie nichts (0,5-1 cm, das können auch Messungenauigkeiten sein), aber da dieser Bereich vom Lipödem bisher (noch nicht) betroffen ist, kann ich damit leben. Direkt über dem Knie, wo der Lipödem-Bereich ansetzt, sind es 1,5-2 cm (mein linkes Bein hat immer einen Hauch Umfang mehr als mein rechtes), an den Oberschenkeln sind es 5-6 cm (wobei es da immer schwierig ist, genau denselben Messpunkt zu treffen, von Woche zu Woche), an Hüfte und Hintern sind es jeweils 4-5 cm weniger als Anfang Oktober. An den Oberarmen ist es etwa 1-2 Zentimeter. Ich weiß natürlich nicht, wie viel von dem Umfangverlust tatsächlich verschwundene Fettpolster sind und wie viel davon durch Kompression, Bewegung und unermüdliche Arbeit meines Lymphsystems (dem ich an dieser Stelle ausdrücklich für die unermüdliche Arbeit herzlich danken möchte *Blumen überreich*) aus dem Gewebe entferntes Ödem-Gemisch ist. Aber so lange der Umfang verschwindet, ist mir egal, was es war!

Sehr schön sind immer die geradezu zeichentrickfilmartigen „doubletake“-Blickbewegungen von Leuten, die mich 1-2 Monate nicht gesehen haben, gefolgt von bisher wohlmeinenden Kommentaren und zum Glück keinem der Sprüche von der Sorte, die Erzählmirix hier gesammelt hat.

Einige Sachen, die ich unterstützend angefangen haben, haben sich absolut bewährt, weshalb ich sie hier noch mal kurz Revue passieren und aktualisieren möchte:

Meine Mittagsrunde durch den Park nach einigen Stunden Schreibtisch-Gesitze möchte ich nicht mehr missen. Meinen Beinen gefällt das, und ich bin hinterher sehr viel wacher und konzentrierter. Ebenso hat sich der Abendspaziergang bewährt.

Morgens im Büro eine große Karaffe mit Zitronenwasser – lecker und erfrischend! Hilft mir außerdem, manchmal überrascht zum Zeitpunkt des Mittagessens (meiner ersten Mahlzeit) festzustellen, dass ich zwar Appetit, aber kein verzweifeltes Magenknurren habe. Das dürfte an den Pektinen (Ballaststoffen) liegen, die in Zitronensaft sind. Da für Gefäße (also sowohl für meine Lipödem-geplagten Beine als auch für Leute, die mit Venen zu tun haben) Flavonoide, die in der Zitronenschale vorhanden sind, helfen, füge ich auch Bio-Zitronenschale hinzu. Wenn ich am Wochenende zuhause bin, presse und raspele ich Bio-Zitrone, fürs Büro hat es sich bewährt, anstatt in unserer Mini-Küche rumzumatschen, Bio-Zitronensaft und geriebenes Bio-Zitronenschalenpulver (Backzutaten, z.B. Alnatura) zu verwenden.

Mein morgendliches und abendliches Tauchbad für die Beine werde ich auch nicht mehr aufgeben – sehr angenehm, außerdem werden die Gefäße trainiert.

Noch eine Empfehlung ist das Trockenbürsten. Ich habe es, wie so vieles andere, angefangen, weil es den Lymphfluss anregt. Gleichzeitig ist es sehr angenehm – und zusätzlicher Bonus: Ich habe den Eindruck, dass die Haut an meinen Oberarmen straffer ist als im Sommer! Aber das kann auch Wunschdenken sein… Ich hatte erst eine Badebürste mit gemischten Nylon- und Naturborsten, aber die fand ich kratzig, eine aus reinen Naturborsten ist sehr viel angenehmer. Anleitungen für die Reihenfolge finden sich überall im Internet unter „Trockenbürsten“ oder auch „Drybrushing“.

Interessant finde ich folgendes Phänomen: Wenn ich mit aufgestellten Beinen auf dem Bett sitze, also quasi die Schwerkraft von Knie in Richtung Hüfte wirkt, dann wirkt der Bereich meiner Knie so, wie ich mir „schon ziemlich schlanke Beine“ bei mir vorstelle. Da würde mich jetzt aus empirischer Neugierde sehr interessieren, ob dieser „Fließ“-Effekt einer ist, den andere, die beim Abnehmen sind, auch kennen.

Ich ertaste dann in diesem schlank/schlanker wirkenden Teil des Oberschenkels nahe dem Knie das sogenannte „feinknotige“ Gewebe, was häufig als „Beans-in-the-bag“-feeling beschrieben wird und typisch für das Lipödem ist. Also gehe ich davon aus, dass das, was da quasi durch die Schwerkraft in dieser Haltung vom Knie Richtung Hüfte rutscht, noch „normales“ Fettgewebe ist, an das ich durch Diät und Sport rankomme, während das feinknotige Zeugs dann wahrscheinlich das ist, was dem Lipödem zuzurechnen ist. Mal schauen, ob sich diese Vermutung als richtig herausstellt.

Ich habe die Hoffnung, dass die richtige medizinische Kompression zumindest zu einer teilweisen Reduzierung des Ödemgewebes führt. Vorhaben fürs neue Jahr habe ich auch schon: endlich mit dem Schwimmen anfangen – es soll so absolut positiv bei Lipödem sein, aber ich kann mich nicht aufraffen, weil ich Schwimmbäder und Bahnenschwimmen nicht mag, obwohl ich sehr gerne in Naturgewässern im Wasser bin („Bitte liefern Sie den kleinen schwedischen See direkt in meinen Hinterhof!“). Da ich zur Zeit nicht von der Schokolade wegkomme (sehr dunkle Schokolade, und immer im Rahmen des Kalorienbudgets) ist für Anfang 2017 ein paar Wochen „Ohne alles“ geplant…. ;-). „Ohne alles“ ist zwischen einer guten Freundin und mir die verkürzte Beschreibung von „ohne Zucker, ohne Weißmehlprodukte, ohne Alkohol“. Diese Art der Ernährung hat mir schon früher sehr gut getan, und eine Schokoladenpause, so dass ich sie hinterher wieder zu schätzen weiß, kann nur guttun!

 

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4 Gedanken zu “Zwischenstand Thema Lipödem

  1. In der Theorie soll es immer recht schnell gehen mit den Kompressionsstrümpfen. Eine Dame aus dem Sanitätshaus hat mir mal gesagt, dass es maximal eine Woche dauern darf. Erfahrungsgemäß kann es länger dauern, gerade jetzt vor den Feiertagen könnte es kritisch werden. Viel Spaß mit den Strümpfen 😛

  2. Gut, dass du drüber schreibst. Es muss noch einiges in der Szene passieren, aber wir arbeiten da alle gemeinsam dran 🙂 Falls du mal Hilfe oder Informationen brauchst, sag einfach Bescheid! Willkommen im Club 🙂

    Liebe Grüße
    Caroline

    1. annesch

      Danke Dir! Ich finde die Vernetzung und den Austausch von Tipps auch sehr wichtig – und ja, auch das Bekannterwerden des Phänomens. Meine Sanitätshausfachverkäuferin meinte zu mir, sie sieht so häufig Frauen auf der Straßen, bei denen sie beim ersten Blick denkt: Lipödem! Aber sie kann sie ja nicht alle ansprechen (erst recht nicht aus dem Blauen heraus) und hofft, dass sie auf kenntnisreiche Ärzte/Bekannte stoßen…

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