(Nach-)Tisch & Kühlschrankgedanken zu Weihnachten (Vanille-Birnen-Quark-Tiramisù frei nach Herrn Grüns Rezepten)

Ich bin in einer sechsköpfigen Familie aufgewachsen, in der Essen immer eine große Rolle spielte, nicht nur als Nahrung und Geschmacks-, sondern auch als Gemeinschaftserlebnis. Sei es, wie es sei, was auch immer die Gründe sein mögen: Vor mehreren zusammenhängenden Feiertagen wie Weihnachten sah es bei uns zuhause im Kühlschrank immer so aus, als ob die nächste Berlin-Blockade bevorstünde. (Was als Assoziation jetzt für mich als West-Berliner Kind nicht so ein großer Sprung ist, in den 80er-Jahren lagen 10 Fahrradminuten von uns entfernt im Spandauer Forst große Haufen von Heizkohlenvorräten herum – für den Fall der Fälle.) Die richtig kalten Winter mit -20° C nachts waren furchtbar praktisch (nicht nur, weil Schlittschuhlaufen auf Waldseen eine wirklich schöne Sache ist), weil dann das Treppenhaus gleich noch als großer Kühlschrank mitgenutzt werden konnte.

Ich bin davon auch geprägt. Mehr als ein Sonntag ohne Ladenöffnungszeit, und meine normale Reaktion ist es, Vorräte anzulegen. Ich koche auch tendenziell eher ein bisschen zu viel als zu wenig (und dann kann man es ja nicht umkommen lassen, aber so richtig genug, um es als zweite Portion für den nächsten Tag aufzuheben, reicht es auch nicht… – I’m sure you get the drift), und wenn ich eine Fête mache, denke ich, kurz bevor die Gäste kommen: „Oh nein, das wird nie und nimmer reichen, sie werden hungrig nach Hause gehen und mich mit vorwurfsvollen Augen anstarren!“ (Die rechte Figur in Erzählmirnix‘ aktuellem Comic erinnerte mich vorhin sehr stark an diese Vorstellung.)

Die letzten beißen dann die Hunde: Die letzten Gäste, die gehen, sind dann die, denen ich halbe Quiches oder große Pizza-Stücke, Viertelkuchen oder diverse Käse aufdränge, weil ich alleine mit den Resten nie fertig werden würde.

Dieses Weihnachten ist alles sehr entspannt. Ich treffe mich Heiligabend zu einem gemütlichen Entenessen, und ich muss nur an den Nachtisch und eine Flasche Wein denken. Da ich nicht vorhabe, an den beiden Feiertagen groß etwas anderes zu essen als an anderen (Diät-)Tagen auch, muss ich nur Eier, Gemüse, Fischfilet und ein bisschen Brot und Käse (und die allgegenwärtige dunkle Schokolade) im Haus haben. Ach so, und Kaffee und Milch, natürlich. Irgendwie sorgt der Diät-Mindset dafür, dass ich nicht das Bedürfnis habe, die Feiertage mit entsprechenden Mahlzeiten und besonderem Essen zu kennzeichnen, bzw. einmal am Heiligabend reicht. Es fühlt sich nicht einmal wie ein Verzicht an, sondern, wie gesagt, sehr entspannt.

Das einzige, worüber ich mir die letzten Tage Gedanken machte, war besagter Nachtisch, den ich mitbringen wollte. Einer meiner absoluten Lieblingskuchen ist der Quark-Vanille-Kuchen von Herrn Grün (absolute Blog-Lese-Empfehlung, supertolle Rezepte (vegetarisch und vegan), wunderbar nachzukochen und zu -backen, garniert mit netten Geschichten).

Aber obwohl Kuchen für mich durchaus in die Kategorie „Nachtisch“ fällt, hatte ich Lust, etwas Neues auszuprobieren. Ich erinnerte mich dieser Tage daran, dass ich im Sommer wahnsinnig leckere Lemon Bars gegessen hatte, die nicht nur aus Zitronensaft und ein bisschen geriebener Schale bestanden, sondern für die die gesamte Zitrone (außer den Kernen) verarbeitet worden war. Unvergleichliches Geschmackserlebnis! Ich schaute mir verschiedene Lemon-Bar-Rezepte (z.B. hier oder hier) an, die mit ganzen Zitronen arbeiteten, und überlegte, den Teig vom Quark-Vanille-Kuchen mit einer Zitronen-Füllung (aus Lemon-Bar-Masse oder Herrn Grüns Lemon Curd und selbstgekochtem Pudding wie bei Herrn Grün) zu versehen. Ganz kühn überlegte ich, ob es möglich sei, die Schneckenform zu verdoppeln, in dem Sinne, erst eine Lage Teig, eine Schicht Lemon Curd o.Ä., dann noch eine Lage Teig, dann Vanillepudding – und dann erst aufrollen und in Schnecken schneiden (mit der Schneckenform habe ich es zur Zeit ja). Aber das schien mir doch ein größeres Experiment für einen anderen Tag.

Außerdem war mir irgendwie danach, ein richtiges Dessert mitzubringen, keinen Kuchen. Zunächst stieß ich auf dieses Rezept bei Herrn Grün für Mousse au chocolat (ohne Ei) mit Orangen-Zimt-Mandelkrokant. Doch dann kam ich ins Zweifeln, ob eine Mousse ihre Fluffigkeit behält, wenn sie mit dem Fahrrad und auch u.a. über Kopfsteinpflaster transportiert werden würde. Dann sah ich Quitten-Tiramisù mit Giotto-Boden, eingekochte Quitten, selbst gemachtem Vanillepudding und einer Krone aus Sahnequark.

Das sollte es sein – bzw., weil die Quittenzeit leider vorbei ist (ich habe jedenfalls lange keine mehr gesehen habe), eine Variante. Erst dachte ich an Orangen, aber dann entschied ich mich für Birnen, vielleicht, weil die in der Konsistenz den Quitten etwas mehr ähneln. Für die entsprechende Säuerlichkeit werde ich den Zucker verrringern bzw. den Zitronensaft bereithalten. Ich ging heute Nachmittag in einen Supermarkt, um die Zutaten zu besorgen – Giottos gab es nicht, da der Supermarkt nicht übervoll war und ich mein Glück nicht bei einem weiteren Laden auf die Probe stellen wollte, überlegte ich, was ich statt der Giottos nehmen könnte. Und kam auf die Idee, den Teig vom Quark-Vanille-Kuchen als eine Lage auf einem Blech zu backen und dann entweder in zerkrümelter Form oder in Streifen geschnitten als Basis für mein Tiramisù zu verwenden. Das habe ich gerade getan (siehe Bild, im Lauf des Abends werde ich noch die weiteren Phasen fotografieren und posten).

Mein Plan ist, wenn der Boden entsprechend weit reicht, zwischen Vanille-Pudding (der selbstgekochte von Herr Grün ist auch ausgezeichnet) und Sahnequark eine weitere Schicht Kuchenboden/-krümel einzufügen. Außerdem denke ich darüber nach, ob es Geschmacksrichtungen-Overkill wäre, wenn ich den Sahnequark mit etwas Lemon Curd mische (ich hab’s zur Zeit mit Zitronen, auch geschmacklich, nicht nur wegen der Beine) oder das ganze mit dem Orangen-Zimt-Mandel-Krokant aus dem Mousse-Rezept zu toppen. Ich halte Euch im Lauf des Abend auf dem Laufenden… 😀

Das ganze werde ich in kleinen Marmeladengläsern (bzw. den Aufstrich-Gläsern von den Zwergenwiese-Aufstrichen, die haben eine schöne Größe) anrichten, die kann ich dann zuschrauben und gut transportieren.

Hier ein paar Bilder von meinem Work in progress.

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2 Gedanken zu “(Nach-)Tisch & Kühlschrankgedanken zu Weihnachten (Vanille-Birnen-Quark-Tiramisù frei nach Herrn Grüns Rezepten)

  1. mihani

    Viel Spaß beim weiteren Experimentieren! Da bekomme ich doch tatsächlich noch mal Appetit…
    Hier wurden gerade Herr Grüns vegane Grießklößchen für die gesellige Suppe morgen vorbereitet.

  2. Pingback: Birnen-Vanille-Quark-Tiramisù in progress – Berg- & Talträume

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