Unroutiniert

Die letzten Tage seit dem 1. Januar arbeite ich an einem Lektoratsauftrag nach Feierabend, was (mir) großen Spaß macht. Heute Abend stand eine lange Chorprobe an, erst eine Stunde Einsingen und Chor allein, dann das Zusammensetzen des Finales von Mahlers 2. Sinfonie mit Chor und Orchester – 18:00-21:00 h, mit ein bisschen Pause und langem Heimweg.

Die letzten Tage habe ich dann (mal wieder) festgestellt, dass Nicht-Routine bei mir bedeutet, dass ich mehr esse als geplant. Heute z.B.  musste ich irgendwas unterwegs zwischen Büro und Probe essen, anstatt mir zuhause Gemüse und Ei in die Pfanne zu hauen. Jetzt, nach der langen Chorprobe und der Konzentration, die es brauchte, das Getöse (im besten Sinne) in der kleinen Aula auszuhalten und das Dirigat des unbekannten Dirigenten zu interpretieren, habe ich eine Scheibe Käsebrot und ein Stück Schoko gegessen, obwohl ich eigentlich keinen Hunger hatte. Aber ich konnte mich nicht des Gefühls erwehren, dass ich es mir verdient hätte, nicht durch Kalorienverbrauch, sondern durch Stress…

Genauso die letzten Tage. Nach 2-3 Stunden konzentrierten Lektorierens habe ich eigentlich keinen Hunger im tatsächlichen Sinne. Aber mein selfish brain bedeutet mir, dass es sich doch so angestrengt hätte, viel mehr als sonst, und dass es doch wirklich eine Kleinigkeit wäre, jetzt noch einen Happen zu essen… Gut, es sind keine großen Ausrutscher, ich bleibe in etwa in meinem Bedarf, weil ich nach wie vor das Frühstück weglasse, aber das hübsche Defizit, dass ich sonst an Alltagstagen erwirtschafte, ist natürlich futsch.

Mir macht die Lektoratsarbeit sehr viel Spaß, sie ist nicht so langweilig wie mein Bürojob, dadurch habe ich danach auch wirklich das Gefühl, im Gegensatz zum üblichen Arbeitstag, tatsächlich etwas „geleistet“ zu haben – und das Gefühl, mir etwas gönnen zu können, wächst.

Naja. Das Konzert ist am Wochenende. Samstag und Sonntag werden noch verprobt, nächste Woche ist dann auch das Lektorat fertig – ein Ende ist also absehbar. Dann kann ich wieder meine gewohnte Routine ergreifen, in der es mir viel leichter fällt, nach der warmen Mahlzeit am frühen Abend nichts mehr zu essen. Bis dahin werde ich einfach schauen, dass ich in meinem Budget bleibe und nicht allzu sehr über die Stränge schlage…

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5 Gedanken zu “Unroutiniert

    1. annesch

      …genau! Das „aus Langeweile essen“ habe ich, zumindest im Alltag (auf einer langen Bahnfahrt wahrscheinlich wieder was anderes), inzwischen ganz gut im Griff, jetzt muss ich „nur noch“ neue Belohnungsstrukturen ohne Nahrung für anstrengende, stressige Zeiten etablieren…

  1. Neues Wort gelernt: Dirigat.
    Danke! 🙂

    Und ja, das kenne ich – bei mir ist der große, böse Faktor Langeweile. Die hat man im Alltag ja eher selten, weil immer etwas zu tun ist … aber im Urlaub macht man ja auch mal einen Nachmittag lang gar nichts und dann sind diese Nussriegel, die eigentlich für vor dem Trainieren gedacht waren, ruckzug weg …

    1. annesch

      …es steht zwar im Duden und wird in Musikerkreisen viel verwendet, aber ich entsinne mich dunkel, mal einen Feuilletonartikel gelesen zu haben, wo sich der Autor, wie man das so macht, darüber aufregte, dass das eigentlich ein total schwachsinniges Wort ohne richtige Bedeutung sei – mal schauen, ob ich da die Quelle wieder finde… 😀 Aber es klingt einfach so viel eleganter und indirekter, wenn man sagt: „Ich kann mit seinem/ihren Dirigat nicht so viel anfangen…“, als wenn man sagen muss: „Ich finde, so wie er/sie in der Luft rumrührt, ist das ja eher eine Glückssache, ob man die Eins erkennt oder nicht…“ m)

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