Prokrastination I

Als ich heute über diesen Blogartikel nachgedacht habe, merkte ich, dass er entweder sehr lang werden würde oder ich würde gleich mehrere Blogposts schreiben, daher nummeriere ich von vorneherein…

Dem Begriff „Prokrastination“ begegnet man heute an allen möglichen Orten, ich weiß aber noch, wann ich ihn das erste Mal hörte: Gegen Ende meines (langen) Studiums verwendete eine Kommilitonin, die eine Zeitlang in den USA studiert hatte, ihn zum ersten Mal in meiner Hörweite. Vorher hatte ich immer ganz schlicht von Aufschieberitis gesprochen. Aber Prokrastination oder prokrastinieren klingt natürlich schicker… ;-). Das Wort kommt vom lateinischen „procrastinare“, was „vertagen“ bedeutet, es beinhaltet die lateinischen Elemente „pro-“ also u.a. „für“ und „cras“ = „morgen“, also sozusagen Für-morgen-ation – das passt sehr gut in den Kontext des unerträglichen (und leider doch so wahren, so simple-schwierigen) Satzes: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“

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Ob Krähen „Nevermore“ oder „Cras“ sagen, sei dahingestellt…

Prokrastination spielt (leider) in meinem Leben eine große Rolle. Es ist sehr nervig und sehr anstrengend, gewohnheitsmäßig zu prokrastinieren, gleichzeitig kann man sich nicht „einfach zusammenreißen“ oder auch nicht einfach „mit genug Willenskraft“ damit aufhören. Oft probiert man viele verschiedene Tricks und Konzepte aus, manche funktionieren gar nicht, manche funktionieren für eine Zeitlang ganz toll, bis man aus dem Tritt kommt, manche Konzepte sind irgendwann in den Alltag integriert und funktionieren für eine bestimmte Tätigkeit, einen bestimmten Bereich, und das ist immer ein kleiner Erfolg.

Das Problem der Prokrastination hat viel Ähnlichkeit mit dem Problem des Übergewichts – oder vielmehr würde ich Übergewicht, dass man, obwohl man es verlieren will, nicht loswird, als einen Unterbereich der vielfältigen Möglichkeiten zu prokrastinieren wahrnehmen. Aber um Übergewicht soll es in diesem Artikel gar nicht in der Hauptsache gehen.

(Ich habe gerade angefangen, meine Prokrastinationsgeschichte von der Schule über die Uni bis heute zu beschreiben. Aber ich glaube, das wird zu langweilig. Außerdem hat es gerade unglaublich viel Zeit vertrödelt. Lieber will ich in den kommenden Blogposts über positive Erkenntnisse, Erfahrungen, Aha-Momente zum Thema Prokrastination schreiben, die mir (zeitweise) weitergeholfen haben. Eigene Erfahrungen kann ich ja dann als Beispiele einstreuen.)

Ich bin heute auf das Thema Prokrastination gekommen, weil es auf Twitter auftauchte und ich an drei Blog-Artikel vom Blog „Wait but why“ zum Thema Prokrastinantion erinnert wurde, die ich natürlich gleich selbst noch mal lesen musste (anstatt etwas anderes zu tun, na klar): Aber wie beim ersten Mal lesen lösten sie eine ganze Menge Reaktionen von „Ja, ganz genauso ist es!“ und Gedanken in der Art „Ja, wenn das so ist, dann…“ aus.

Und sie lenkten meinen Blick auf mein Ich vom letzten Jahr, als ich diese Artikel zum ersten Mal las. Ich kann nicht behaupten, dass sich seitdem alle meine Prokrastinationsprobleme gelöst hätten, in einigen Bereichen sind sie sogar schlimmer als damals, aber wenn ich aus der Prokrastinationshaltung rauskomme und etwas anpacke, dann ist es oft mit einem Blick auf die Situation, der sich der Bildsprache dieser Artikel von Tim Urban von „Wait but why“ bedient. In solchen Momenten funktioniert das wie eine Art Instrument oder Mikroskop, um die Situation auf einer Metaebene zu betrachten – und manchmal gelingt dann der Ausbruch aus der Prokrastinationsschleife.

Deswegen will ich denen von Euch, die diese Artikel noch nicht kennen und sich mit Prokrastination herumschlagen, ans Herz legen, sie zu lesen. Sie sind amüsant und treffend, und die Bildsprache ist exzellent (wenn auch vielleicht nicht die Zeichnungen selbst, aber ich könnte es ja auch nicht besser.)

Die Artikel sind:

Teil I: Why procrastinators procrastinate

Teil II: How to beat procrastination

Teil III: The procrastination matrix

Ich will selbst auch demnächst weiter über Prokrastination schreiben. Über die miese Ironie, einen Blogpost über das Prokrastinieren zu prokrastinieren hat sich auch schon Tim Burton im zweiten seiner Artikel eloquent geäußert. Mal schauen, wie es mir damit geht…

 

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3 Gedanken zu “Prokrastination I

  1. Ich finde Instant Gratification Monkey super! 😀 (Als Metapher)
    Ich selbst habe nur sehr selektive Anfälle von Prokrastination und eigentlich nie bei „wichtigen“ Dingen, weshalb so ein Einblick sehr interessant ist. Okay, ersetze „wichtig“ durch „dringend“. Die Renovierung meiner Wohnung werde ich garantiert noch etliche Monate wegprokrastinieren. 😀

  2. Pingback: Prokrastination II oder: Halma – Berg- & Talträume

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