Elektronische Unwägbarkeiten oder: Der kleine Robert

(Bild: Benjamin Klack/Pixelio.de) Diesen Post wollte ich schon seit Ewigkeiten schreiben, und der Artikel von heute morgen „Wahnsinn“ von „The last Five“ gab den letzten Anstoß dazu… 😉

Falls Ihr eine elektronische Waage im Badezimmer Euer Eigen nennt, dann kennt Ihr vielleicht ein seltsames Phänomen: Mehrere Tage lang zeigt die Waage morgens (oder wann immer Ihr Euch wiegt) immer haargenau denselben Wert an, auch die Stelle hinter dem Komma. Das ist nicht nur frustrierend, sondern auch extrem unwahrscheinlich – wie soll das funktionieren? Immer haargenau dasselbe Gewicht? Oder wie „The last five“ schreibt: „Mit meinem Körper gehen höchst spektakuläre Dinge vor sich: er schafft es nach wie vor immer genau die richtige Menge Wasser einzulagern, damit am nächsten Tag 67,5 kg auf der Waage zu lesen ist.“

Mit diesem Paradox habe ich mich auch eine Weile herumgeschlagen, irgendwann hatte ich schließlich eine Idee, warum das so ist. Auf die Spur brachte mich das Phänomen, dass die Waage, wenn sich der Wert dann veränderte, dann einen großen Sprung (mindestens 0,5 kg) nach oben oder nach unten verzeichnete. Ich kam zu dem Schluss, dass meine Waage faul ist. Wenn sich nicht ordentlich was am Gewicht verändert hat, sieht sie gar nicht ein, ein aktuelles Gewicht anzuzeigen, sondern spuckt lieber das der Vortage aus. Ich erwähnte diese Theorie gegenüber Erzählmirnix, sie meinte, sie habe von solchen Beobachtungen schon von anderen gehört, aber selbst nicht dieses Problem mit ihrer Waage, da sich auf ihre auch immer ihr Mann stelle, so dass die Waage immer mit mehreren Gewichten „hantieren“ muss und nicht einfach auf den zuletzt angezeigten Wert zurückgreifen kann.

Nun habe ich keinen Mann im Haus, den ich vor meiner eigenen Wiegerei auf die Waage schicken könnte. Aber ich habe den kleinen Robert – „Le Petit Robert“: die französische Variante dessen, was bei uns der Duden ist, aber noch viel ausführlicher und schwerer und größer, also einfach das einsprachige Standard-Wörterbuch der französischen Sprache.

Dieser Wälzer liegt jetzt griffbereit im Bad, ich stelle mich morgens einmal mit Wörterbuch drauf – die Waage muss einen neuen Wert mehr als zwei Kilo über dem des Vortages registrieren und anzeigen. Dann stelle ich mich noch mal ohne alles drauf – seitdem bekomme ich für das „ohne alles“ jeden Morgen einen anderen Wert, mal ein bis zwei Zehntel mehr, mal weniger, so wie das eben so ist mit Wasser, Nahrung, diversen körperlichen Funktionen.

Jeden Morgen bei der Wörterbuchwiegerei denke ich übrigens, dass ich mich ja auch einfach abends noch mal draufstellen könnte, dann käme ja auch ein anderes Gewicht dazwischen. Aber so lange ich das abends immer vergesse, hat das Wörterbuch also weiterhin erstmal seinen Platz im Bad und nicht im Regal beim Schreibtisch.

Ich vermute, so regelmäßig hatte ich den P’tit Robert seit meinem Studium nicht mehr in der Hand! 😀

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13 Gedanken zu “Elektronische Unwägbarkeiten oder: Der kleine Robert

  1. Hihi, guter Trick und man sieht mal wieder, wie wichtig doch Bücher sind! Meine Waage ist ja eher wankelmütig. Sie liebt 100 g Schritte nach unten und 500 g – 1 kg Schritte nach oben. 😦

  2. Okay, das ist ja mal eine interessante Sache – aber ich beobachte das manchmal auch. Nicht immer, aber schon so ein, zweimal für ein paar tage pro Monat.
    Bei mir müssen es dann wohl die „Renaissance I“ und „II“-Bände tun. Die haben bestimmt zehn Kilo zusammen. 😀
    Danke für diesen Anstoß und Tipp!

  3. Pingback: Oh… | The last five

  4. Das mit dem Zusatzgewicht werde ich auch mal probieren! Danke!
    Bei mir zeigt die Waage eben auch mehrere Tage hintereinander das gleiche Gewicht an.
    Ich schob einen Wechsel der Anzeige nach ein paar Tagen dann immer darauf, ob es im Bad warm war (mehr Gewicht) oder kalt war (weniger Gewicht).

    1. annesch

      Hm, wenn die Waagen nach Aussentemperatur reagieren, dann würde ich wohl in Versuchung kommen, sie in dieser Jahreszeit auf den Balkon zu stellen… 😀 Aber dann wird es wohl mit dem Wiegen ein bisschen peinlich… 😉

  5. Pingback: Wette(n) – gewonnen! – Berg- & Talträume

  6. Arnd

    Ich glaube, Ihr irrt Euch! Die Waage ist nicht faul, sondern intelligent. (Antropomorph gesprochen, ich nehme nicht an, Ihr haltet ein elektronisches Gerät ernsthaft für lebendig,)

    Denkt mal nach! Die Waage misst auf 100g genau. Aber in dem Bereich plus/minus einige hundert Gramm schwankt das Körpergewicht täglich – es kommt darauf an, was wir noch im Magen haben! (bzw. in Darm und Blase.)

    Wenn ich z.B. 200ml Wasser trinke, ist mein Körper 200g schwerer (bis ich pinkeln gehe), aber ich habe ja nicht 200g zugenommen.

    Die Waage soll ja aber nur messen, was wir tatsächlich zu- oder abgenommen haben. Und deshalb merkt sich die Waage das Gewicht und zeigt die Änderung erst dann an, wenn sie dauerhaft ist.

    1. Es ist die Frage, was man möchte: ich möchte die Änderungen, die durch Wassereinlagerungen etc. z.B. während des weiblichen Zyklus oder nach einem sehr salzigen Essen lieber direkt beobachten – und nicht durch eine Waage oder ihre Programmierung weggerechnet bekommen. Den Ausgleich der täglichen Schwankungen habe ich durch eine Gewichtskurve, die sich aus den Werten der letzten zehn Tage berechnet. Außerdem: 6-7 Tage lang (und das war durchaus der Fall) immer denselben Wert morgens vor der Nase zu haben, auch wenn man weiß, dass das nicht sein kann (z.B. wegen Darminhalt), ist extrem nervig. Kannst Dir ja mal die Unterschiede in der Kurve unter https://annesch.wordpress.com/2017/06/25/wetten-gewonnen/ anschauen: Oktober/November 16 mehrere Tage lang derselbe Wert, bei der Abnahme z.B. im Juni 17 täglich unterschiedliche Werte – aber eine Kurve, die kontinuierlich runter geht, was motivierender ist, als eine auf einem Wert feststehende Waage. Insgesamt berachtet möchte ich eine Waage, die so rechnet, dass sie mir anzeigt, was ist, und nicht irgendwas bevormundend glattrechnet.

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