Lipödem: Bohnen, Erbsen, Linsen, Sandkörner?

(Bild: marge simpson/pixelio.de) Entgegen der Überschrift soll es in diesem Post nicht um Nahrungsmittel gehen – sondern um ein Phänomen, das ich wahrgenommen zu haben meine, aber mir nicht ganz sicher bin, ob es vielleicht Einbildung und Wunschdenken ist – daher meine Frage an Lipödem-Betroffene, ob ihnen ähnliches aufgefallen ist.

Zunächst einmal hatte ich dieses Wochenende eine sehr gute Freundin zu Besuch, die ich kenne, seit ich acht bin. Sie habe ich gebeten, Fotos von mir zu machen, so dass ich einen Vergleich zu den Fotos (in Unterwäsche) hatte, die ich im Oktober gemacht habe, als die ganze Sache mit Lipödem-Diagnose für mich losging. Der Vorteil, wenn jemand anders fotografiert: Man muss sich nicht vor dem Spiegel verrenken, um seitliche Fotos oder Fotos der Rückansicht mit über der Schulter verdrehtem Arm etc. zu machen.

Tatsache ist, dass sich seit Oktober einiges verändert hat (auch wenn ich die Fotos noch nicht posten mag – vielleicht irgendwann, wenn sich noch mehr getan hat). So im direkten Fotovergleich sind Sachen sichtbar, die in der allmählichen täglichen Veränderung einfach nicht auffallen. Wer sich mit Abnehmen/Körperveränderung etc. beschäftigt und noch keine Fotos für den direkten Vergleich macht: fangt direkt damit an, der Unterschied, den man irgendwann sieht, ist enorm motivierend.

Außerdem fiel der Freundin auf, dass meine Haut besser aussah, einfach glatter und frischer – und zwar nicht nur an den Beinen, wo man das der Kompression zuschreiben könnte, sondern auch sonst am Körper. Ich schreibe das der abendlichen Trockenbürsten-Massage zu, die ich wirklich jedem, der gerade abnimmt, empfehlen kann. Es ist erstens angenehm und hat zweitens einen wirklich guten Effekt auf die Haut. Außerdem habe ich den Eindruck, mit dem Trockenbürsten den armen, tagsüber in der Kompression eingesperrten Beinen ein bisschen Luft und Sauerstoff zukommen zu lassen, bevor sie dann schon wieder unter die Bettdecke kommen… 😉

Um jetzt auf die ganzen in der Überschrift erwähnten Hülsenfrüchte und Sandkörner zu kommen: Im englischen Sprachraum zum Lipödem heißt es bei den ganzen Diagnosekriterien, das Gewebe hätte ein „bean-in-the-bag“-feeling, das, was bei den deutschen Diagnosekriterien das „fein- oder starkknotige Gewebe“ist. Ich fand das „Been-in-the-bag“-Feeling schon von Beginn an sehr anschaulich -für die, die nicht betroffen sind, stellt euch vor, ihr greift euch eine Haut- und/oder Fettfalte und anstatt glattes (Fett-)Gewebe zu spüren, spürt man unter der Oberfläche schmerzhafte/druckempfindliche Knubbel in unterschiedlicher Größe – ich hätte bei mir am Anfang gesagt, so in etwa Weiße-Bohnen- bis Kidneybohnen-Größe. So konnte ich auch für mich ziemlich gut einordnen, welche Bereiche besonders bei mir betroffen sind: die Innenseiten der Oberschenkel, die Außenseiten der Hüften, die Oberarme, und die Stellen, wo dieses knubbelige Gewebe über die Knie Richtung Waden wandert, und ja, auch an den Innenseiten vom Unteram spürte ich die Knubbel (etwas feiner, Erbsengröße in den Oberarmen, in den Unterarmen Linsengröße), was ich gar nicht toll fand.

Und mir geht gerade der blöde Uralt-Werbesong einer Dosenfirma, gedichtet auf den Radetzky-Marsch, durch den Kopf:
„Ja, xy ist das famose
Zartgemüse aus der Dose!“
– und dazu Bilder von „Erbsen und Möhren extra fein“ o.ä. 😀 (Edit: Stelle gerade fest, dass jemand den Werbesong auf eine Szene aus Harry Potter (nehme an „& der Feuerkelch“) gelegt hat…*klick*)

Das war der Status quo zu Beginn meiner Lipödem-Geschichte, also so im Oktober/November. Ich habe das so für mich registriert, es war für mich auch eine Art und Weise, meinen Körper neu zu betrachten und zu „bewerten“. Bewerten im Sinne von: Aha, glattes Fettgewebe am Bauch, da ist schon durchaus viel weg, aber da kann ich noch was verlieren, und da es glatt ist, komme ich da auch mit Diät/Bewegung dran, schön. Und: Oha, knubbeliges Gewebe an den Oberschenkeln/Oberarmen, Lipödem-Gewebe, ok, damit muss ich mich jetzt arrangieren, mal schauen, was geht – aber auch eine gewisse Entlastung, weil während ich für das Fettgewebe am Bauch „was kann“, gilt für die Unförmigkeit des Lipödem-Gewebes das, was sowohl der Angiologe, mit dem ich als erstes diagnosemäßig zu tun hatte, gesagt hat, als auch meine jetzt betreuende Ärztin, als auch die Sanitätsfachfrau, alle jeweils in unterschiedlichen Formulierungen: „Das ist nicht Ihre Schuld.“

Mit dem entsprechenden Wissen, dass ich täglich meine Kompression tragen muss und für Bewegung sorge und insgesamt abzunehmen versuche, rückt natürlich der Zustand dieses Bereiches auch in meine Verantwortung, die ich auch übernehme, im Sinne davon, dass ich alles unternehme, um die klassische weiterfortschreitende Entwicklung des Lipödems zu verlangsamen oder sogar aufzuhalten und eventuell eventuell vielleicht auch ein bisschen rückgängig zu machen. Aber dass die Beine überhaupt dieses Ausmaß angenommen haben, konnte ich ohne das entsprechende Wissen und ohne Kompression nicht verhindern. Und das entlastet auf eine gewisse Art. Und macht Kraft und Energie frei, so dass seit Herbst das generelle Abnehmen gut gelingt und ich jetzt weniger wiege als je in meinem Erwachsenenleben. In wenigen Kilos werde ich ein Gewicht erreicht haben, mit dem ich mich als heranwachsender übergewichtiger Teenager mit kleinerer Körpergröße als heute herumgeschlagen habe.

Um noch mal auf die Hülsenfrüchte zurückzukommen und meine Frage an alle Lipödem-Betroffenen: Ich kam vor ein paar Tagen noch mal auf die Idee, nach den Beans &  Co zu fühlen und stellte folgendes fest: An den Beinen, wo ich seit Januar täglich Kompression trage, sind die Knubbel meinem Eindruck nach kleiner geworden (schmerzhaft und druckempfindlich sind sie nach wie vor), so Erbsen bis weiße Bohnen, aber keine Kidneybohnen mehr. An den Armen trage ich keine Kompression, da sind es an den Oberarmen jetzt Linsen – und die Knubbel im Geweben des Unterarmes sind weg, es fühlt sich nur noch etwas grisselig an, so Sandkörnchengefühl!!! Ich erkläre es mir damit, dass das Tragen der Kompression an den Beinen das ganze Lymphsystem entlastet und in Schwung bringt, so dass auch die Arme besser entlympht werden und das Lipödemgewebe doch etwas in Schach gehalten werden kann und zurückgeht, auch wenn es vielleicht/wahrscheinlich nie ganz verschwindet. Und ich nehme an, dass der ganze Kladderadatsch, den ich mir angewöhnt habe (Saufen wie ein Pferd (Tee, Zitronenwasser), Bewegung, Trockenbürsten usw.), meinem Gewebe gut tut.

Jetzt bin ich sehr neugierig, ob ihr ähnliche Beobachtungen beim Tragen der Kompression festgestellt habt: Ich frage auch deshalb, weil ich die Größenentwicklung der Knubbel nicht bewusst beobachtet habe, sondern es mir nur zufällig auffiel – und vielleicht der Wunsch Vater der Beobachtung ist und ich in der Erinnerung mir vielleicht die Größe der Knubbel falsch gemerkt habe und in Wirklichkeit sich gar nicht so viel verändert hat. Welche Knubbelgrößen stellt Ihr bei Euch fest, und unterscheiden die sich stark z.B. zwischen Armen und Beinen oder zwischen Kniebereich und Hüften oder auch Waden, wenn sie betroffen sind…?

Edit: Ich habe erst den Beitrag geschrieben und dann das obige Foto herausgesucht und stelle fest, dass Bohnen anscheinend viel größer sind, als ich dachte – oder sind die Bohnen auf dem Foto oben extrem groß?! Dazu muss ich sagen, dass ich Linsen und Erbsen mag, aber mir Bohnen jeder Art aufgrund ihrer Konsistenz ein Graus sind! Daher kaufe und koche ich sie nie und sehe sie selten. Deshalb als Anmerkung: Beim Schreiben des obigen Posts habe ich mir weiße Bohnen ungefähr doppelt so groß wie eine Erbse und Kidneybohnen ugefähr drei Mal so groß wie eine Erbse vorgestellt…

Edit 2: Gerade habe ich auf dem Blog von Cheer Up, Lion! herumgestöbert und gelesen, dass auch Sylvi dort berichtet, dass die Verhärtungen weniger geworden sind: https://cheeruplion.wordpress.com/2016/11/09/hallo-herr-doktor/

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3 Gedanken zu “Lipödem: Bohnen, Erbsen, Linsen, Sandkörner?

  1. Ich habe zwar kein Lipödem, mache aber erstens mal einfach so ganz heftig Cheerleading für Dich und möchte zweitens einwerfen, dass Trockenbürsten auch für nicht-Lipödem-Betroffene absolut großartig ist, wenn man möchte, dass sich haut nach der Abnahme strafft. Es geht laaaaangsaaaaam (in der Stimme des Faultiers aus Zootopia gesprochen) aber es geht!
    Vielen, vielen Dank für diese Anregung!

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