Kissenberge

Ich hatte immer schon gerne sehr viele Kopfkissen im Bett. Mindestmenge ein großes, ein mittleres und ein kleines Kissen, die ich mir so zurechtstapelte, dass ich als gewohnheitsmäßige Seitenschläferin gut zu liegen glaubte. Wenn man beruflich am Schreibtisch sitzt (und nicht gerade sehr bewusst in seiner Körperhaltung ist, ich habe leider die Tendenz, bei Konzentration in den Bildschirm förmlich hineinzukriechen), hat man es ja oft früher oder später mit Nacken- und Schulterverspannungen zu tun. Irgendwann vor 1-2 Jahren beschloss ich dann, es auch mal mit einem dieser ergonomischen Nackenkissen zu versuchen – und was soll ich sagen. Es war eine Umstellung von meinem gewohnten Kissenberg, aber ich merkte, dass ein niedriges, relativ wenig nachgebendes (dieser elastische Viskoseschaum, ihr wisst schon) Kissen tatsächlich besser zum Schlafen ist. Mein kleines Kissen (40 x 40 cm) nutze ich nach wie vor in Kombination mit dem Nackenstützkissen, was die Wirkung wahrscheinlich etwas konterkariert, aber hey, manche Gewohnheiten sterben schwer…

Für Kissenberge habe ich allerdings nach wie vor Verwendung (wobei ich jetzt nach und nach wegen Hausstauballergie meine Federkissen mit bei 60° C waschbaren Poly-irgendwas-Lyocell-etc.-Kissen ersetzt habe). Abends, nachdem ich mein Trockenbürsten hinter mir habe und im Bett liege, um noch etwas zu lesen, habe ich einen ganzen Haufen von Kissen unter meinen Beinen gestapelt, wie eine schiefe Ebene, so dass meine Knöchel bestimmt 20 bis 30 cm höher liegen als meine Hüfte. So lese ich, je nach Uhrzeit, noch ein halbes oder ganzes Stündchen. Die Schwerkraft soll gefälligst ihre Wirkung tun und meine armes geplagtes Lymphsystem (ihr erinnert euch, die Nymphe Lümfa) unterstützen. Es tut in der Tat sehr gut. Denn auch, wenn die Kompression durchaus ihren Dienst tut: Zum einen merke ich die steigenden Temperaturen, die leider für schwerere Beine sorgen, zum anderen merke ich, sobald ich abends die Kompression ausziehe, wie die Schwere und ein an Schmerz grenzendes unangenehmes Gefühl – wusch! – in die Beine „läuft“, sobald die Kompression weg ist. Dem versuche ich entgegenzuwirken, mit dem Trockenbürsten und dem anschließenden „Beine nicht nur hoch, sondern sehr hoch“-Legen. Dazu also nach wie vor Kissengebirge (kombiniert mit der einen oder anderen gefalteten Decke, weil das mehr Stabilität verleiht).

Allerdings: So richtig optimal ist das nicht. Schon weil ich immer auf der Seite liege beim Lesen und auch auf der Seite schlafe. Habt ihr schon mal versucht, auf der Seite zu liegen und dabei die Beine schräg nach oben hochzulegen? Klappt nicht so wirklich gut. Zudem ich mein Auf-der-Seite-Liegen auch deswegen so bequem finde, weil die leicht angewinkelten Beine dafür sorgen, dass mein tagtägliches Hohlkreuz sich entspannt. Aber angewinkelte Beine in Seitlage hochlegen führt leider zu einem Abknicken sowohl auf Kniehöhe als auch in gewissem Maß auf Hüfthöhe, was sicher nicht so gut für den Lymphfluss ist, wie wenn ich auf dem Rücken mit geraden hochgelegten Beinen schlafen könnte. Schon probiert. Aber ich schlafe auf dem Rücken nicht wirklich gut – weder ein, noch durch, schon probiert. Das Problem mit dem Kissenberg: Meine Beine rutschen im Lauf der Nacht oft herunter und ich schiebe schlafend dann den Kissenberg nicht aus dem Weg, sondern wache dann morgens zusammengerollt mit sehr angewinkelten Beinen zwischen Kopfkissen und Beinkissenberg auf…

Was die Kissenberge angeht: Ich bin schon am Überlegen, ob ich mir mal ein Keilkissen zulege, wie es die physiotherapeutischen Praxen (z.B. für Lymphdrainage) haben, um direkt eine Schräge zu haben, anstatt allabendlich Kissen zu stapelt. Anderseits ist diese Schräge dann so, wie sie ist, und passt sich nicht wie mein Kissengebirge meinen seitlich liegenden, leicht angewinkelten Beinen an. Was aber durchaus interessant ist: Es gibt solche Keilkissen (auch Venenkissen genannt) auch in aufblasbarer Form, was durchaus eine gute Sache für Reisen sein könnte. Bei der letzten Chorfahrt habe ich mir einen kleinen Hügel (von Berg konnte nicht die Rede sein) aus dem getragenen Klamotten des Tages am Fußende gebaut, weil ich merkte, dass ich mein allabendliches Höherlagern der Beine nicht missen wollte.

Für zuhause werde ich noch was anderes in Betracht ziehen. Vor Jahren, als ich noch dachte, mein Problem wären die Venen, habe ich in einem Buch oder einer Broschüre mit Tipps für Venenkranke gelesen, dass man auch einfach das Fußende des Bettes um wenige Zentimeter (2-3) erhöhen könne, die dadurch erhalte Schräge sei ausreichend, um den Beinen über Nacht zusätzliche Erholung zu gönnen, und es besteht keine Abknickgefahr in Knien oder Hüfte. Allerdings: die Vorstellung auf einem Bett zu liegen, bei dem der Teil der Matratze für den Oberkörper niedriger ist als der Teil für die Beine, kommt mir irgendwie seltsam vor.

Jetzt ist es ja so, dass die Schräge, wenn ich optimal liege, von den Knöcheln bis zur Hüfte geht, so ginge sie dann aber von den Knöcheln bis zum Brustkorb, wobei der Kopf dann wieder höher läge, wegen des Kopfkissens. Ich würde es ja gern mal ausprobieren. Aber einfach nur ein Brett oder einen Balken unter das Fußende des Bettes zu legen, kommt mir sehr instabil vor – und die Vorstellung, nachts davon aufzuwachen, dass durch unruhigen Schlaf das Bett von seiner Fußendenerhöhung kracht, ist nicht so sonderlich schön. Aber bevor ich da irgendwas Stabiles konstruiere, möchte ich es ausprobieren… usw.usf.

Ich habe eines dieser Bettgestelle, dass auf einem Brett am Kopfende steht und auf einem Brett am Fußende, dazwischen zwei lange Bretter, in dem entstandenen Rechteck ist der Lattenrost verschraubt und darauf liegt die Matratze. Wenn ich jetzt das Fußende dauerhaft erhöhe und damit der ganzen Geschichte eine Schräge gebe, könnte ich mir vorstellen, dass damit auf die entsprechenden Schrauben, die das Bettgestell zusammenhalten, durch den Winkel eine Belastung wirkt, für die sie nicht ausgelegt sind, auf Dauer… Also: Erst mal einen Weg finden, die Schrägung auszuprobieren (in einer stabilen, aber nicht endgültigen Weise), dann, falls sie sich bewährt, dauerhaft konstruieren – und dann hoffen, dass nicht irgendwann das Bettgestell zusammenkracht…

Liebe Lipödem-Betroffene, findet Ihr das auch so angenehm, die Beine abends noch extra hoch zu lagern? Mit welchen Hilfsmitteln macht ihr das?

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6 Gedanken zu “Kissenberge

  1. mihani

    Das Bett in meinem Kinderzimmer, so eine braune, mit Cord bezogene Stauraumliege, ließ sich sowohl am Kopfteil als auch am Fußteil (Aufteilung ca. 1/3 und 2/3) in der Höhe verstellen. Ich habe lange gern mit leicht erhöhten Füßen geschlafen!
    Der Lattenrost von K4 war sicher nicht teuer, lässt sich aber auch verstellen. Wäre sowas vielleicht eine Alternative?

    1. Naja, mein Bett ist ja schon älter (von C & K übernommen, die es auch schon eine Weile hatten), vielleicht wäre ja mal ein neues Bettgestell dran… Weil bei dem jetzigen der Lattenrost ja Latte für Latte festgeschraubt ist, ich weiß nicht, ob man das ersetzen kann… Habe jetzt erst mal den Handtuchtrick von Myzilla und Somi ausprobiert (siehe andere Kommentare), und werde mich mal langsam ein bisschen bei Bettgestellen umschauen… aber so was dauert bei mir, so eine Entscheidung… 😀

  2. Du musst nicht das ganze Bett unten hochstellen. Ich habe das so gelöst, dass ich alte Handtücher und Bettlaken über die gesamte Breite des Bettes unter die Matratze auf das Lattenrost gestapelt habe. Da kannst du zentimetergenau rumprobieren ob und wie es am besten passt.

    Deinen Tipp mit dem Trockenbürsten habe ich übrigens übernommen. 🙂 Allerdings habe ich mir ein elektrisch rotierendes Teil gekauft, weil meine Hände und Arme das sonst nicht mitmachen, aber damit geht es sehr gut! Ich mache das morgens bevor ich mich in die Kompressionsstrümpfe pelle.
    Hast Du schon ausprobiert, ob es einen Unterschied gibt zwischen abendlicher und morgendlicher Anwendung?
    LG Tanja

    1. Den Trick mit den Sachen unter die Matratze legen, habe ich gestern ausprobiert – danke! Ich hatte schon mal daran gedacht, dachte aber nicht, dass es bei meiner (ziemlich neuen, ziemlich hohen) Matratze geht – aber es ging. Den optimalen Winkel habe ich noch nicht, aber das mag an dem superwarmen Wetter gestern liegen, da hätte ich meine Beine für nachts am liebsten senkrecht gegen die Wand gelehnt…

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