Kompression VII oder: Das Ende vom Lied, vorerst.

Ich hatte ja in Kompression V oder: Drei Sanitätsfachleute, drei Meinungen und in Kompression VI oder: quot capita, tot sensus über die Probleme mit meiner Kompressionsbestrumpfung geschrieben. Zusammengefasst: meine erste Kompression (in der Farbe schwarz) saß im großen und ganzen ganz gut (das Zeug wird maßgefertigt). Für meine sogenannte Wechselversorgung hatte ich mich für die Farbe dunkelblau entschieden, und diese Kompression machte mir Probleme, wie in den oben erwähnten Posts beschrieben. Eigentlich wollte ich die Blaue öfter als die Schwarze tragen, weil sie neuer war, dadurch eigentlich hätte besser sitzen sollen und dadurch einen besseren Effekt haben sollte. Aber anstatt zu lindern, verursachte sie unangnehme Schwellungen im Kniebereich, so dass ich mich auf die geschilderte Odyssee durch Sanitätshäuser begab, um mal rauszukriegen, was die Fachleute dazu zu sagen haben. Die Ergebnisse waren recht unterschiedlich, aber das etwas mit meiner Kompression, bestehend aus Kniestrümpfen und Caprihosen, nicht stimmte, da waren sich alle einig. Die Strümpfe zu kurz, oder die Strümpfe zu eng, oder die Capri zu kurz und/oder zu eng… – jedenfalls ging ich, solcherart durch Fachleutemeinung bestätigt und ermutigt, zu der mich versorgenden Sanitätsfachfrau, um zu erkundigen, ob nicht eine Nachbesserung durch die Hersteller möglich sei. (Ich stellte mich das ein bisschen vor wie „Aufmachen, noch ein paar Maschen/Reihen dranstricken…“ 😀 )

Die oben erwähnten Artikel habe ich tatsächlich im letzten Drittel des Märzens geschrieben, ein vorläufiges (gutes) Ende fand die Geschichte jetzt letzte Woche.

Meine Sanitätsfachfrau maß erst mal noch mal alle Maße nach – sie waren noch genauso wie an dem Tag, als sie mich für die Wechselversorgung vermessen hatte, daran konnte es also nicht liegen. Ich schilderte noch mal ausführlich die Problemstellen und sie schlug schließlich vor, man könne die Versorgung an die Hersteller einschicken, die würden sie im Labor überprüfen, ob sie überall die korrekten Kompressionsklassen hätte – und dann könnte man weitersehen. Ich brachte ihr also am nächsten Tag die frischgewaschenene Kompression vorbei und harrte der Dinge. Das war irgendwann vor Ostern. Ostern kam und ging. Einige Zeit nach Ostern kam der Anruf: Ja, die Firma habe sich gemeldet, ja, man habe festgestellt, dass die Kniestrümpfe zu eng und zu kurz seien, die Firma schlage vor, erstmal nur die Kniestrümpfe neu herzustellen und das mit der vorhandenen (blauen) Carpri auszuprobieren – und dann weiterzusehen. Obwohl ich in dem Moment schon dachte: „Moment, und die Capri, habt ihr die auch geprüft, wenn ja, was ist dabei rausgekommen?“ sagte ich (dummerweise) nichts, sondern war erst mal einverstanden. Nach einer weiteren guten Woche bekam ich meine blaue Garnitur zurück, neue Kniestrümpfe und alte Capri.

Bevor da irgendwas sitzt, muss es erst mal gewaschen werden, also noch einen Tag später, voller Spannung zog ich die blauen Kniestrümpfe an – oh, eine Wohltat! Sie waren spürbar länger, spürbar anders im Wadenbereich geschnitten, weiter, ohne zu schlabbern, perfekt, mit angenehmen Kompressionsdruck, besser und angenehmer als meine alte schwarze Garnitur. Voller Optimismus zog ich die alte blaue Caprihose dazu an – und dachte schon im ersten Moment: Uh-oh. Aber ich sagte mir, ok, das liegt daran, dass du nur deine schon etwas ausgeleierte schwarze Kompri gewöhnt bist, deswegen fühlt sich das jetzt so ungewohnt an… Doch war ich geistesgegenwärtig genug, meine schwarze Capri mit ins Büro zu nehmen. Und irgendwann im Lauf des Vormittags hielt ich es nicht mehr aus, denn der Druck an der Stelle, wo sich beide Kompressionen überlappen, war schlicht nicht auszuhalten. Dadurch, dass die Strümpfe jetzt optimal passten, wurde erst richtig deutlich, wie zu eng die blaue Capri war. Ich zog also die schwarze Capri an (zum Glück an diesem Tag mit Hose und nicht mit Rock, das hätte sonst seltsam ausgesehen, aber wäre mir wohl egal gewesen…) und telefonierte gleich mit meiner Sanitätsfachfrau, um ihr zu sagen, dass die Kombi aus neuen Strümpfen und alter Capri nicht funktinierte, und ob denn die Hersteller, als sie das Zeug bei sich zum Prüfen hatten, nicht auch gleich die Capri geprüft hätten. Sie sagte, ja, darüber habe sie sich auch gewundert (ja, und warum hatte sie die Hersteller dann nicht gefragt?! Orrrr.). Und ja, wenn es mit der Kombination nicht ginge, dann müsse die Capri auch neu gemacht werden. Wann ich sie vorbeibringen könne, zum Einschicken.

Ich saß also weiterhin nur mit einer Versorgung da. Das Zeug muss ja täglich von morgens bis abends getragen werden, damit es was nützt (und ohne tun die Beine weh, zumindest mehr, als sie ohnehin tun, vor allem bei heißem Wetter). Und nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern auch, damit die Kompression ordentlich komprimiert, muss das Zeug eigentlich täglich gewaschen werden, deshalb hat man ja die Wechselversorgung. Da es warm war und ich Röcke trug, konnte ich auch nicht die schwarze Capri mit den blauen Strümpfen kombinieren… Ich wusch manchmal täglich, manchmal alle zwei Tage, wie es sich ergab, aber lästig ist das ganze schon.

Das Ende vom Lied also: Letzte Woche erhielt ich die neue Capri, wusch sie, ließ sie trocknen und zog voller Spannung kombiniert mit den neuen Strümpfen an. Success! Alles passte, alles saß, es war super bequem, nichts drückte, der Kompressionsdruck fühlte sich gut an – der Sitz ist insgesamt noch besser als bei meiner schwarzen Kompression, die bisher das Maß aller Dinge war.

D.h., eine Sache ist leider noch nicht optimal. Während an den Beinen wirklich alles super sitzt, wurde aus irgendeinem Grund das sogenannte „Leibteil“ anders geschnitten, also der Bereich vom Ende der Oberschenkel zur Taille. Bei meiner schwarzen Capri und der ersten blauen endete es genau auf Bauchnabelhöhe, meiner schmalsten Stelle, und ist dort in der Enge verstellbar, durch ein eingezogenes elastisches, knöpfbares Band. Auf dieser Bauchnabelhöhe bin ich ziemlich unempfindlich und habe kein Problem damit, wenn dort etwas eng sitzt, ich hatte das Band also immer sehr eng eingestellt, was der Capri, die sonst Tendenzen entwicklen könnte, abzurutschen, guten Halt gibt.

Bei der neuen Capri endet das Leibteil aus irgendeinem Grund 1-1,5 cm über dem Bauchnabel. Ich weiß nicht, was an der Stelle dort so anders ist, aber ich finde das ganz unangenehm, da etwas engangliegendes zu tragen. Aber ich habe nicht vor, das zu reklamieren. Nochmal einschicken, warten, wieder nur eine Versorgung haben… nein, danke. Ich klappe den Rand einfach genau einmal um. Es ist nicht optimal, vor allem nicht, wenn es warm ist, aber was soll’s, ich kann nicht mehr.

In diesem ganzen Hin und Her der Nachbesserung meiner Wechselversorgung ist es nämlich schon bald wieder Zeit für eine neues Rezept. Inzwischen überlege ich, ob ich statt der Kombination Kniestrümpfe/Capri mal eine einteilige Strumpfhose ausprobiere, ob da der Kniebereich besser funktioniert. Oder aber die Kombination Oberschenkel-Strümpfe/Radler… Das Problem ist, dass man sich für so lange festlegt. Genau wie mit den Farben.

Was ich nur nicht verstehe: Wieso kommt bei einer Sache, für die man an X Stellen vermessen wird, kein eindeutig passendes Resultat heraus? Was sind die unbekannten Faktoren, die dazu führen, dass eine maßgeschneiderte Sache dann doch nicht so richtig passt? Man sollte meinen, dass es für die Firmen von Interesse wäre, diese unbekannten Faktoren zu erkennen und möglichst außer Kraft zu setzen… Irgendwo habe ich mal was gelesen von einem Sanitätshaus, das mit Laservermessung arbeitet, ich habe mir das vorgestellt wie eine Body-Scanner, meines Wissens gibt es auch Jeans-Hersteller, die so arbeiten, dass sie Bodymaße abscannen und dann daraus neue Passmaße erarbeiten. Hat jemand von Euch schon mal so eine Laservermessung mitbekommen?

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