Schuhfarbe oder: Die eierlegende Wollmilchsau

Dafür, dass ich mir in den letzten Jahrzehnten im Alltag meistens nur Gedanken machte, welche T-Shirt-Farbe auf eine blaue oder auf eine schwarze Jeans passt, hat sich seit Beginn des Jahres einiges geändert. Oder sagen wir: Seit die Außentemperaturen über 15°C steigen, seitdem ist mir die Kombination Kompression und lange Hosen schlicht und ergreifend zu warm, vor allem auf meinem täglichen Fortbewegungsmittel, dem Fahrrad. Seitdem trage ich also ziemlich kontinuierlich Rock.

Während des Hin und Hers bis meine zweite Kompression endlich richtig angepasst war, blieb mir keine große Wahl: Ich hatte nur eine Kompressionsversorgung in schwarz, trug also Röcke, die mit schwarz kombinierbar waren. Da es meistens auch noch nicht groß über 20°C waren, trug ich geschlossene schwarze Leder-Halbschuhe, die erstaunlich temperaturausgleichend waren, auch wenn das Thermometer mal am Nachmittag etwas höher kletterte. Und wenn es doch mal richtig warm wurde (das waren zu diesem Zeitpunkt nur eine Handvoll von Tagen) kombinierte ich ohne mit der Wimper zu zucken (naja, fast) meine dunkelbraunen (bequemen) Sandalen mit der schwarzen Kompression.

Ich habe bei beiden Versorgungen die Variante ohne Fußspitzen gewählt, und auf die Art und Weise kriegen wenigstens mal die Zehen ein bisschen Sonne ab. Irgendwie habe ich da eine seltsame Haltung entwickelt. Mir ist es fast lieber, wenn ich mit dieser etwas seltsamen Kombination von Sandalen und an den Fußspitzen offenen Strümpfen zeigen kann: Hej, das sind nicht einfach blickdichte Strumpfhosen, vielleicht weil ich morgens zu blöd war, auf die Wetter-App zu schauen. Die Kombination signalisiert (zumindest vermute ich das): OK, da trägt eine blickdichte Strümpfe, weil sie aus irgendwelchen (medizinischen) Gründen muss. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum mir das lieber ist. Vielleicht, weil ich damit irgendwie, zumindest für mich selbst, festhalte, dass ich das zumindest ein bisschen unter Protest trage.

Ich werde mit der ganzen Rock- und Kleidertragerei in einen Kleidungsstil hineingedrängt, der dem, was ich die ganzen letzten Jahre getragen habe, komplett entgegengesetzt ist. Das ist nicht unbedingt schlecht, denn mein alter Kleidungsstil hatte auch viel mit Verstecken und Verbergen und unauffällig sein zu tun. Aber es ist schon eine ziemliche Umstellung quasi jeden Tag etwas anzuziehen, was früher unter die Kategorie „sich fein/sich schick machen“ gefallen wäre.

Komplett schlecht ist das wie gesagt nicht. Ich wollte eigentlich lange schon mehr Röcke und Kleider tragen, hatte nur immer das Fahrradproblem (und das Fahrrad als Verkehrsmittel aufzugeben, kam nicht in Frage!): lange Röcke muss man irgendwie aus der Kette und den Speichen heraushalten, knielange Röcke rutschen beim Fahrradfahren so hoch, dass mir das mit unbedeckten Beinen im Sommer peinlich war. Das Problem ist gelöst: Ich trage ja jetzt die Kompression darunter, blickdichter geht nicht.

Seitdem die zweite Versorgung endlich richtig passt, habe ich nun allerdings ein Farbproblem. Ich hatte für die zweite ja dunkelblau gewählt, weil ich einiges an Röcken und Kleidern habe, die von der Grundfarbe entweder blau oder braun (und dann verschieden gemustert) sind, und da schien dunkelblau am einfachsten zum kombinieren. Bei der Firma Jobst, von der ich meine Kompri habe, gibt es ansonsten auch neben blau und schwarz nur noch hautfarben zur Auswahl – und nein, auch wenn ich eine zeitlang drüber nachgedacht habe. Das muss nicht sein. Zwar lässt es sich farblich gut anpassen, indem man eine passende dünne Strumpfhose drüberzieht – aber noch eine Schicht drüber…? Bloß nicht. Und obwohl ich mir bei richtig heißem Wetter mit schwarzen bzw. dunkelblauen Beinen oft ziemlich unpassend gekleidet vorkomme – ich weiß nicht, ob ich mich mit „hautfarben“ besser fühlen würde…

Ich weiß, dass andere Firmen von Kompression wie Medi oder Juzo eine größere Farbauswahl und sogar Muster wie Burlington oder Batik etc. haben. Aber ich habe jetzt erst mal mit der Jobst-Kompression angefangen und sie gibt meines Wissens den besten Halt. Vielleicht probiere ich bei einer der nächsten Versorgungen auch mal eine der anderen Firmen aus, aber erst mal werde ich mit den Formen (Strumpfhosen im Ganzen oder Oberschenkelstrümpfe plus Radler statt meiner bisherigen Kombi von Kniestrümpfen und Capri) experimentieren. Eins nach dem anderen.

Mein Problem sind jetzt also die Schuhe. Zunächst brauche ich mal ein paar schwarze Sandalen. (Und ich bin ein Mensch, der auch gerne mal zu Fuß unterwegs ist, man muss also auch gut in ihnen laufen können, nicht irgend so ein Riemchengedöns.) Dann wollte ich mir neulich bei Landsend Stoffballerinas mit einer guten Laufsohle bestellen und stand vor dem Farbproblem: schwarz würde nur zur schwarzen Kompri passen. Blau oder Braun entsprechend nur zur blauen. Dunkelrot passt zwar unter Umständen ganz gut zu schwarz, auch wenn es vielleicht etwas heftig ist, aber dunkelrote Schuhe zu blauen Strumpfhosen… nee, nee, nee. Grün? (Gab es nicht mehr.) Ich habe mich jetzt für ein helles Grau entschieden, aber so ganz optimal auf alles passt das nicht. Z.B. wenn ich einen zwar von der Grundfarbe her schwarzen Rock trage, der ein eher beiges Muster hat – da ist grau dann nicht optimal. Wenn ich zu den blauen Strümpfen einen Rock mit der Grundfarbe blau habe – alles wunderbar, aber in dem Moment, in dem ich einen Rock mit der Grundfarbe Braun trage, passen hellgraue Schuhe wieder nicht. Wahrscheinlich gibt es die eierlegende Wollmilchsau unter den Schuhfarben nicht, und ich muss mich von dem Gedanken verabschieden, ein Paar Schuhe zu haben, in dass ich einfach hineinschlüpfen kann, wenn die Temperatur dafür stimmt, ohne dass ich bei der Farbe darauf achten muss, was ich an dem Tag trage…

Wahrscheinlich zerbreche ich mir viel zu sehr den Kopf darüber, aber es liegt in erster Linie an der Unsicherheit, nachdem ich jahrelang im Alltag einfach nur in Jeans, T-Shirt und ein paar Schuhe, die zu jeder Art von Jeans passen, hineinschlüpfen musste.

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6 Gedanken zu “Schuhfarbe oder: Die eierlegende Wollmilchsau

  1. Oja. Das Fahrrad-Rock-Problem kenne ich. Bei den anderen Sachen kann ich nicht mitreden. Mir ist aufgefallen, dass ich mittlerweile – anders als früher – zumindest bei den Halbsommerschuhen zu fast jedem Style passende Schuhe habe und auch trage. Da ich jedes Jahr jedes Paar insgesamt vielleicht nur zwei Wochen trage, hält alles ewig, und ich kann ja doch nicht widerstehen, mindestens ein Paar im Jahr dazu zu kaufen.

    Bei Winterschuhen habe ich das nicht (weiß kommt da überhaupt nicht in Frage, zum Beispiel – bei Sommerschuhen schon!) und bei Sandalen mach ich mir nicht so einen Kopp, ob die Farbe passt, sind ja eh nur dünne Riemchen. Ich finde aber, schwarz kann man fast zu allem anziehen (außer natürlich, man geht rein weiß, und selbst dann…) vielleicht kaufst Du Dir solche und setzt dann mit Nagellack das Tüpfelchen auf dem I, wenn Du doch eh Zehen zeigen kannst? Oder mit einem Fußkettchen…Ansonsten: Ich muss gestehen, ich verschwende nicht viel Zeit auf mein Styling. Ich bin saufroh, dass ich mir kürzlich auf dem Flohmarkt für kleines Geld einige hübsche Ketten und auch ein paar neue Farben gekauft habe. Wenn es mal passt, ist gut, wenn nicht – dann nicht..

  2. Ohje die Farbfrage ist ja echt anstrengend. Als hätte man nicht genug Probleme…
    Ich denke, mit roten Schuhen das nächste mal bist du gar nicht so schlecht dran. Rot und Blau fand ich schon immer schön als Kombi. Ein bisschen 50er Jahre.
    Und rot zu schwarz sollte auch gehen. Ein weißes Oberteil würde die harte Kombi aufheben, denke ich. Aber wohl musst du dich ja auch fühlen. Ich wollte dir nur sagen: Mut zur Farbe! 🙂

    1. Mir fällt Grad auf, dass ich einen blauen Rock zum roten Oberteil trage. So Viel dazu… 😂
      Bis jetzt hat mich keiner dumm angeschaut 😉 und wenn, sollen se doch! 😉

      1. Ich finde die Farbkombination blau und rot nicht per se schlecht, überhaupt nicht!!! Nur rote Schuhe zu dunkelblauen Kompressionsstrümpfen… ich weiß nicht.

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