Uh-oh oder: Hände und Arme

(Bild: sokaeiko/pixelio.de) Am Ende der Woche habe ich einen Termin bei meiner Lipödem-Ärztin und werde (voraussichtlich) neue Kompression verschrieben bekommen – das ist auch notwendig, denn wenn ich meine erste Kompression (die schwarze, die von Anfang an gesessen hat, nicht die blaue, die so viele Probleme gemacht hat) anziehe, dann merke ich, dass die sehr locker sitzt. Da ich inzwischen sieben Kilo weniger wiege als zu dem Zeitpunkt, an dem sie angemessen wurde, ist das wohl auch kein Wunder.

Außerdem muss ich bei der Ärztin ein Thema ansprechen, was mir gar nicht gefällt: meine Arme. Seitdem es tagsüber über 20°C werden, also doch schon seit einer ganzen Weile, merke ich, dass irgendwas auch mit meinen Armen ist. Das reicht von einem unangenehmen Gefühl (die Arme sind einfach „da“ und „fühlen sich irgendwie an“) über ein unangenehmes Schweregefühl in den Armen und dem Eindruck, dass die Hände „volllaufen“ bis hin zu Schmerzen an manchen Tagen. Keine schlimmen Schmerzen, ohne Zweifel aushaltbar, aber doch merkbar… und wenn das was mit dem Lipödem zu tun hat (und die Wahrscheinlichkeit ist groß), dann ist es eine fortschreitende Geschichte, das heißt, je eher ich etwas unternehme, desto besser.

Nach Nächten, in denen es schon sehr warm war und über 25°C blieb, bin ich auch schon mit schmerzenden Armen und einem Gefühl von geschwollenen Händen aufgewacht, was nicht schön war.

Was die geschwollenen Hände angeht: Sie fühlen sich nur geschwollen an, eine Art Druckgefühl und eine gewisse Steifheit in den Fingern, sie sehen aber nicht geschwollen aus, und z.B. am Handrücken oder an den Fingern lässt sich problemlos eine Hautfalte abheben. Wenn das nicht mehr geht, ist das ein Symptom für ein Lymphödem, das sogenannte Stemmer’sche Zeichen. Soweit ist es also noch nicht, aber wie gesagt, möchte ich es nicht erst so weit kommen lassen.

Gleichzeitig graut mir vor dem Gedanken, an warmen Tagen (und gerade an diesen Tagen!) auch an den Armen Kompression tragen zu müssen. Ich bin jahrelang wegen meiner Figur oft auch im Hochsommer in langen Hosen rumgelaufen, enganliegende Kompression ist zwar noch was anderes, aber es geht in dieselbe Richtung, daher kann ich damit bisher halbwegs leben, auch an den Tagen (den wenigen, die’s bisher waren), an denen es über 30°C ist. Aber an solchen Tagen Kompression von der Schulter bis zum Handgelenk statt kurzärmeliges T-Shirt…?!

Ich würde mich freuen, wenn Lipödembetroffene mit Arm-Kompression, die das lesen, mir in den Kommentaren vielleicht etwas dazu schreiben: Wann war für sie der Punkt erreicht, zu sagen: Ok, Armkompression muss sein! War es, um nicht mehr aushaltbare Schmerzen zu vermeiden oder um, auch bei (noch) geringen Schmerzen und Beschwerden, eine Verschlimmerung zu vermeiden?

Tatsache ist, dass ich an den Beinen und Hüfte an Umfang verloren habe (am Rumpf sowieso), aber nicht wirklich an den Armen. Jetzt wäre es interessant zu wissen, ob das mit Kompression anders (gewesen) wäre.

Ich gehe so gerne abends noch ein Stündchen oder so spazieren, das tut den Beinen gut, tut den Gedanken gut, und überhaupt. An ganz warmen Tagen habe ich leider jetzt manchmal meinen Abendspaziergang gelassen, nachdem ich gemerkt habe, wie sich das unangenehme Gefühl des „Volllaufens“ in den Händen verstärkt, wenn die Arme beim Gehen mitschwingen. Es ist besser, wenn die Hände z.B. in Jackentaschen sind, also quasi waagrecht, dann laufen sie nicht so voll: aber wenn es ganz warm ist, hat man keine Jacke mehr an.

Ich habe ein paar Sachen ausprobiert, die zumindest ein wenig helfen, zumindest wenn es nicht ganz heiß ist: Vor Jahren hatte ich mal ein Buch aus der Bibliothek, das nannte sich „Walking Qi Gong“ (oder so ähnlich), da wurde u.a. eine Bewegung der Arme/Hände beim Gehen als eine Art Geh-Körpermeditation (und im Rahmen der Theorie des Qi Gong als eine Aktivierung der Energiebahnen, wenn ich mich richtig erinnere) beschrieben:

Die Handflächen weisen nach hinten. Während das linke Bein nach vorne geht, schwingt man ja normalerweise den rechten Arm etwas vor. Diese Bewegung verstärkt man, indem man das Handgelenk nach vorne zieht, so dass die Hand (mit der Handfläche nach oben) hinter dem Handgelenk mehr oder minder waagrecht ist. Dann schwingt der linke Arm nach vorne, währenddessen schwingt das rechte Handgelenk nach hinten, die rechte Hand wieder fast waagrecht, diesmal mit dem Handrücken nach oben, usw. und immer mit der linken und der rechten Hand im Wechsel. Die Bewegung kann ganz klein, aber auch ganz groß sein. Man kann dieselbe Bewegung auch mit der Hand „seitlich“ machen, also indem die Handfläche dem Körper zugewandt ist. Warnung: In dem Buch stand damals, man solle vorsichtig sein, wenn man Handgelenksprobleme habe.

Jedenfalls erinnerte ich mich an diese Übungen und probierte sie aus, und sie helfen eine bisschen gegen das Schweregefühl, was auch nicht überrascht: Es arbeiten zusätzliche Muskeln in den Ober- und Unterarmen und Muskelarbeit bedeutet immer auch besseren Lymphfluss.

Etwas anderes, das auch etwas hilft: In einem anderen Kontext hatte ich mal gelesen, dass man sich die Bewegungen aller Gelenke beim Gehen als Rückwärtskreise vorstellen kann. Probiert es mal aus, es ist eine interessante Perspektive: Stellt Euch bei jedem Schritt nach vorne vor, dass die Kniescheibe einen Rückwärtskreis beschreibt, ebenso das Hüftgelenk, ebenso die Schultergelenke… und wenn ich beim Gehen diesen gedachten Schulterkreis rückwärts ein klein wenig größer mache, dann hilft das auch ein bisschen gegen das Schwere- und Schwellungsgefühl in den Armen. Auch wieder Muskelarbeit, die den Lymphfluss unterstützt.

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2 Gedanken zu “Uh-oh oder: Hände und Arme

  1. Owl

    Ich trage Ärmel (bzw. inzwischen Bolero, wozu ich auch eher raten würde), wenn es geht. Da ich erst relativ spät meine Diagnose erhalten habe und meine Arme schon seit meiner Pubertät eine schmerzhafte Problemzone sind, stellte sich die Frage gar nicht. Es kennt sich aber nicht jeder Arzt auch mit den Armen aus (war mal bei einer Vertretung, der sagte gleich „ich mache nur Beine“). Oft muß ich sogar meinen Phlebologen daran erinnern, auch die Arme bitte zu begutachten, und die sind nun wirklich nicht unauffällig! 😀
    Da ich insbesondere an den Oberarmen extrem schmerzempfindlich bin, hat es eine ziemliche Weile gedauert, eine gute Form zu finden. Es muß ja ein Drucktrichter entstehen, unten muß es also enger sein als oben. Da oben aber so weh tut, geht da nicht so besonders viel an Kompression. Anfangs waren auch die Umfänge direkt am Handgelenk zu eng, so daß ich insbesondere im Büro bei der Computerarbeit schnell blaue Finger bekommen und die Ärmel kaum getragen habe. Jetzt, mit der Boleroverbindung und einem ziemlich großzügigen/vorsichtigen Anmessen, taucht das Problem nicht mehr wirklich auf. Aber: die Kompri hilft deutlich bei warmem Wetter gegen das Spannungsgefühl in den Fingern (es ist genau so, wie du es beschreibst, „vollgelaufen“, aber ohne daß da wirklich was zu sehen ist, schwer, geschwollen…), verhindert das Gefühl aber nicht. Im Gegenteil: es kann vorkommen, daß die Ärmel erst recht einen kleinen Lymphstau verursachen, wenn die Schwerkraft nicht über die „Handgelenksschwelle“ hinauskommt. Dann würden nur noch zusätzliche Handschuhe helfen. Aber dafür bin ich, bei aller Liebe, echt nicht bereit.
    Ich trage meinen Bolero im Sommer dann übrigens auch nicht täglich. Es ist unerträglich warm, von Kopf bis Fuß eingepackt zu sein, und die Lipödem-Isolierschicht (und auch das normale Fett) halten mich auch genug warm.
    Als sehr angenehm empfand ich übrigens, daß Juzo (ich weiß nicht, ob auch andere Hersteller) ein kleines Rechteck aus Futterstoff einnähen kann. Ich habe sehr empfindliche Ellenbeugen, die Innenseiten habe ich mir am rauhen Kompri-Stoff immer wundgescheuert. Jetzt mit Futterstoff – keine Probleme mehr.
    Ich wünsche dir gute Besserung und ein mindestens genauso gutes Sanitätshaus wie ich es habe!

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