Bahn frei…!

(Bild: roja48/pixelio.de) Wie schon in Lümfa, die Nymphe beschrieben, beschäftige ich mich viel mit dem Lymphsytem. Ich stoße immer wieder auf interessante Tatsachen und Effekte, die nicht nur für Leute für Leute mit Lymph- oder Lipödem interessant sein können. Eine Sammlung meiner Erfahrung zur Förderung des Lymphflusses will ich hier mal zusammenstellen.

Für Allergiker:

Kennt ihr das, wenn man – ob wegen Pollen oder Hausstaub – einen Niesanfall hat und danach, auch wenn das Niesen vorbei ist, die Nasenschleimhäute und die Nebenhöhlen und Stirnhöhlen sich zugeschwollen anfühlen? Eine amerikanische Physiotherapeutin, Heather Wibbels, stellt auf ihrem Youtube-Kanal einige Techniken zur Lymphdrainage vor, die man bei sich selbst anwenden kann. Ein kurzes Video zeigt eine Anleitung, wie man den Lymphfluss im Kopfbereich anregt, ich habe das schon öfter nach allergiebedingten Niesanfällen angewendet und konnte förmlich spüren, wie die Schleimhäute abgeschwollen sind. Seitdem ich das Video kenne, hatte ich noch keine „normale“ Erkältung, daher weiß ich nicht, ob es auch bei virenbedingten Schwellungen hilft, aber spätestens im nächsten Winter werde ich wohl eine Chance haben, das auszuprobieren:

Auf ihrem YT-Kanal stellt sie auch Übungen, Atemtechniken und Massagetechniken vor, mit denen man den Lymphfluss im Bereich des Rumpfes, der Beine und der Arme anwenden kann. Einiges habe ich schon ausprobiert, aber leider noch nicht mit der Regelmäßigkeit, die es wohl bräuchte, um z.B. bei den Beinen eine andauernde Wirkung zu erzielen, die über meine üblichen Gewohnheiten von Trockenbürsten (dazu gleich) und Wassertauchen hinausgehen.

Schwere Beine:

Eine schnelle und einfache Übung, die direkt Linderung bringt, wenn man schwere Beine hat, z.B. nach einem Tag im Museum, Stadtbesichtigung oder einem Shopping-Tag, habe ich in einem anderen Youtube-Video gefunden. Voraussetzung: Ein glatter Boden (Kacheln, Dielen, Laminat…), auf den man sich auch mit nackten Beinen setzen mag. Es ist ganz einfach: die Haut an der Unterseite der Waden und der Oberschenkel mit einem nassen Lappen anfeuchten, diese feuchte Haut mit ausgestreckten Beinen dann auf den Boden „kleben“ und die Beine, gestreckt aus den Hüften heraus, vor- und zurückschieben… Klingt seltsam? Sieht albern aus? 😀 Vielleicht, aber der Effekt ist toll. Die Haut „klebt“, wie gesagt, am Boden, daher wird das tieferliegende Gewebe in den Beinen mitbewegt, was zu einem Pumpeffekt führt, der die „Eingänge“ in das Lymphsystem besser öffnet und dadurch das ganze System anregt. Wer sich die oben beschriebene Beinbewegung nicht vorstellen kann, sieht in diesem von Bremer Physiotherapeuten hochgeladenem Video die Übung und ihre Varianten:

 

Wenn man keinen glatten Boden in Reichweite hat, auf dem man das tun möchte (z.B. in einem Hotelzimmer, nachdem den ganzen Tag durch eine Stadt gelatscht ist), gibt es noch die Variante, sich auf dem Bett auf den Rücken zu legen, entweder die bekannte Fahradfahrübung mit den Beinen zu machen oder ein Handtuch an beiden Enden zu fassen und die Mitte des Handtuches von den Knöcheln an der Unterseite der Beine Richtung Hüfte entlangzuziehen, mehrmals und mit so viel Druck, wie für einen selbst gerade angenehm ist.

Was ich seit Oktober (fast) jeden Abend mache und nicht mehr missen will, ist die Bürstenmassage, auch genannt Dry Brushing, wenn ihr nach weiteren Informationen dazu schauen wollt. Ich hatte zunächst eine Bürste, die Nylon- und Naturborsten gemischt hat – die fand ich zu kratzig, aber da bin ich auch ein bisschen empfindlich, ich kann z.B. keine Wolle auf der bloßen Haut tragen. Dann habe ich mir eine Bürste mit nur natürlichen Borsten gekauft, und das ist sehr angenehm. Die üblichen Verdächtigen im Drogeriemarktbereich haben solche Badebürsten im Sortiment, aber wenn ihr Trockenbürsten machen wollt, legt Euch eine zu, die ihr nur für Trockenbürsten verwendet und nicht noch in der Badewanne.

Ich bin über die Seite Fat disorders research society drauf gestoßen, sie haben Videos von Vorträgen ins Internet gestellt, die bestimmt für viele Lipödem-Betroffene interessant sind. In zwei Videos (siehe unten) wird die Reihenfolge des Dry Brushing beschrieben. Ich mache das, wie gesagt, seit Oktober, und es ist nicht nur ein sehr angenehmes Ritual, meine Haut sieht seitdem besser, „frischer“ aus, und obwohl ich seit Oktober inzwischen über zehn Kilo abgenommen habe, hängt meine Haut weniger herum, als ich es von vorigen Abnahmen kenne, weshalb ich Trockenbürsten sehr gerne weiterempfehle.

Für Leute, die ihrer Haut (z.B. beim Abnehmen oder weil sie Hautprobleme haben) einfach was gutes tun wollen, ist die Reihenfolge der Bürstenstriche relativ egal, solang man die Richtung „zum Herzen hin“ mehr oder weniger einhält. Für alle, für die die Anregung des Lymphsystems eine Rolle spielt, ist die Reihenfolge jedoch sehr wichtig. Wie in Lümfa, die Nymphe beschrieben, öffnet man am besten als erstes die Schleusen des Lymphdrainage-Systems dort, wo es in den Blutkreislauf mündet, also bei den Schlüsselbeinen. Von dort aus arbeitet man sich Richtung Peripherie vor – die Reihenfolge der Körperteile ist also vom Herzen weg, aber die Richtung der Bürstenstriche ist trotzdem immer zum Herzen hin oder kreisförmig.

Was den Druck angeht, variiere ich – für die Hautpflege ist ein ordentliches Bürsten mit den Borsten angenehm, für die Anregung der Lymphe braucht es eigentlich nicht das Ziehen der Bürste ÜBER die Haut, sondern das (sanfte) Schieben der Haut MIT der Bürste, weil das Gewebe unter der Haut mitbewegt werden soll. Ich mache es an manchen Abenden so und mal so, an manchen Körperteilen so und an manchen anders, wie mir gerade ist.

Die Reihenfolge, wenn man das Lymphsystem anregen will, jeweils sieben bis zehn Bürsten“striche“ an jeder Station:

  • Seitlich am Hals von den Ohren bis zur Halsbeuge, rechts und links
  • hinten am Nacken, über den inneren Teil der Schulter an den Schlüsselbeinen entlang zum Grübchen zwischen den Schlüsselbeinen, erst rechts dann links.

(Hier stelle ich seit einiger Zeit ein tolles Phänomen fest: Die Lymphe von rechter Kopfhälfte und rechtem Arm landet ja in der rechten Schlüsselbeinvene, während die linke Schlüsselbeinvene nicht nur die des linken oberen Quadranten, sondern auch die Lymphe der Beine und des unteren Rumpfbereiches aufnimmt. Wenn ich rechts den Nacken hinab und nach vorne bürste, ist das angenehm, aber wenn ich es links mache, dann spüre ich richtig den Sogeffekt durch den ganzen Körper: Es kribbelt in den Beinen, fühlt sich an wie eine Mischung aus Gänsehaut und eingeschlafenen Beinen, aber es ist keine Gänsehaut zu sehen, daher stelle ich mir vor, wie der Sogeffekt von der Mündung in die Schlüsselbeinvene alle Lymphangione (auch genannt Lymphherzen) zum verstärkten Pumpen bringt und die ganze Sache in Fluss bringt.)

  • rechts und links: die Schulterblätter entlang, die Schultern oben entlang, dann von der Schulterkugel vorne entlang wieder zum Schlüsselbein
  • in kreisenden Bewegungen in den Achselhöhlen
  • Ellbogen bis Schultern, Handgelenke bis Ellbogen, Handrücken – entweder erst einen Arm komplett oder abwechseln rechts-links
  • um die Brüste herum – meistens mache ich es so, dass ich auf dem Brustbein in der Mitte den Strich nach oben habe
  • seitlich am Rumpf und am Rücken nach oben (Hypermobilität hat auch Vorteile…)
  • Taille und Bauch erst im und dann gegen den Uhrzeigersinn
  • zwischendurch gerne noch mal die Schlüsselbeine entlang bürsten
  • einmal auf allen Seiten von den Hüften über das Becken zum Bauch bürsten, vor allem auch die Leistengegend, da sitzen viele Lymphknoten
  • Knie über Oberschenkel bis Hüfte
  • Knöchel bis Knie
  • Fußrücken

Dann am besten gleich hinlegen und die Beine noch etwas hochlegen – also höher als waagrecht.

Hier sind die Links zu den beiden Videos, von denen ich mir die Reihenfolge abgeschaut habe, aber in den Monaten seitdem habe ich mir da auch meine eigenen Varianten angewöhnt – was für einen eben angenehm ist:

 

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2 Gedanken zu “Bahn frei…!

  1. Du findest immer wieder extrem interessante Sachen!
    Das mit dem „Beine festkleben und schieben“ klingt wirklich lustig. 🙂 Und wenn es auch eine gute Sache für nicht-Lymphpatienten ist, werde ich das auf jeden Fall nach dem Laufen mal ausprobieren. Ich kenne das Phänomen „schwere Gliedmaßen“ zwar nicht so, aber zur Anregung ist es bestimmt trotzdem prima.
    Danke! 🙂

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